Giro d'italia: wie eine wette die radsportgeschichte schrieb

Es begann, wie so vieles in Italien: Bei gutem Essen, angeregten Gesprächen und einem Glas Wein zu viel. Doch unter der Oberfläche brodelte die unausweichliche Rivalität – ein Motor, der das Land antreibt und nun auch den legendären Giro d'Italia auf die Welt brachte.

Der wettstreit zwischen sportzeitungen – ein geburtshelfer

Der wettstreit zwischen sportzeitungen – ein geburtshelfer

Camillo Costamagna, Armando Cougnet und Tullio Morgagni, allesamt Mitarbeiter der renommierten Gazzetta dello Sport, hatten eine Idee: Eine mehrwöchige Radrundfahrt durch Italien, als Antwort auf die bereits etablierte Tour de France. Der Plan war ehrgeizig, aber das Wettstreben mit dem Konkurrenten Il Corriere della Sera, der ebenfalls eine solche Veranstaltung plante, verlieh der Sache zusätzliche Dringlichkeit. So entstand aus einer spontanen Idee im Angesicht des Wettbewerbs ein sportliches Großereignis.

Die erste Austragung im Jahr 1909 war ein Spektakel. 127 Fahrer stellten sich der Herausforderung, die in Mailand, genauer gesagt vor dem Hauptsitz der Gazzetta dello Sport auf der Piazza Loreto, begann. Das Rennen entwickelte sich zu einem Kampf der Nerven, in dem nicht der Fahrer mit der schnellsten Gesamtzeit siegte – das war damals noch nicht die Regel –, sondern derjenige, der im Gesamtklassement am besten punktete. Luigi Ganna ging als Sieger hervor, ein Triumph, der ihn mit 5325 Lire belohnte, während der letzte Platz lediglich 300 Lire einbrachte. Eine Diskrepanz, die die damaligen Wertvorstellungen im Radsport verdeutlicht.

Die frühen Jahre des Giro d'Italia waren geprägt von harter körperlicher Anstrengung und einer einfachen Wertung. Die Fahrer mussten unter oft widrigen Bedingungen ihre Kräfte messen, und der Sieg war mit großem Ansehen und finanzieller Anerkennung verbunden. Der Giro wurde schnell zu einem Symbol italienischer Sportlichkeit und Nationalstolz. Die Rivalität zwischen den Zeitungen trieb die Veranstaltung voran, und der Giro entwickelte sich zu einem festen Bestandteil des italienischen Sportkalenders.

Was heute als Inbegriff des italienischen Radsports gilt, entsprang also einer Mischung aus kulinarischer Lebensart, Wettbewerbsgeist und dem unbändigen Wunsch, Frankreich im sportlichen Bereich etwas voraus zu sein. Ein Wettstreit, der die Geschichte schrieb.