Nordrhein-westfalen-derby wird zur machtprobe: gummersbach gegen lemgo

19 Uhr, Halle, Pulverdampf im Oberbergischen: Der VfL Gummersbach empfängt den TBV Lemgo Lippe – und plötzlich steht ein Provinz-Klopp-Duell auf der Karte, das europäisches Format hat. Beide Klubs haben die Bundesliga-Tabelle durcheinandergebracht, jetzt geht es im direkten Vergleich um die Luftschlösser Champions-League.

Heiner brand sieht die großen im schwitzkasten

Heiner brand sieht die großen im schwitzkasten

Der Weltmeister-Coach von 2007 blättert mental durch alte Meisterjahre, als Gummersbach noch Synonym für deutschen Handball-Thron war. „Die werden schon eine Konkurrenz für diese bisher Etablierten sein“, sagt er und meint Kiel, Flensburg, Magdeburg und Berlin. Dabei wackelt seine Stimme nicht, denn Brand hat die Files studiert: Lemgo ersetzt Leistungsträger wie andere Trikots, Gummersbach schmiedet unter Sigurdsson vier Nationalspieler, die bei der EM nicht nur Statisten waren.

Die Tabellenlage lügt nicht. Die Lemgoer Kehrseite der Medaille: wer Abgänge wie Drux oder Pekeler kompensiert, ohne den Zug zu verlieren, der hat den Turbo für die Königsklasse. Gummersbachs Geheimnis dagegen liegt im Nachwuchs-Recycling: eigene Jungs hochziehen, statt Millionen zu verbrennen. Brand nennt es „Kleinigkeiten“, doch genau diese machen heute den Unterschied zwischen Platz drei und sieben.

19 Uhr, Schlag ein. Der Ball rollt, die Kurve schreit sich heiser. Wer gewinnt, schickt ein Signal Richtung München und Paris. Wer verliert, muss wieder von vorn rechnen. Brand, gebürtiger Gummersbacher, gibt sich diplomatisch: „Da ist sicherlich alles möglich.“ Aber hinter der Fassade glüht der alte Meister-Funken. Er weiß: In so einer Nacht kann Provinz große Welt bedeuten.