Aston martin in der krise: alonso riskiert nervenschäden

Australien sollte der Aufbruch sein. Der große Beweis, dass Aston Martin nach Jahren des Aufbaus endlich reif für den Kampf um Siege ist. Stattdessen drohen Fernando Alonso und Lance Stroll beim Saisonauftakt in Melbourne dauerhafte Nervenschäden an den Händen. Das ist kein Rückschlag. Das ist ein Alarmsignal.

Vibrationen, die den körper zerstören

Teamchef Adrian Newey brachte es ohne Umschweife auf den Punkt: Alonso schätzt, dass er nach spätestens 25 Runden das Steuer abgeben müsste, um keine bleibenden Schäden an den Nerven seiner Hände zu riskieren. Stroll setzt seine Grenze noch früher an — bei 15 Runden. Ein Formel-1-Rennen geht in Australien über 58 Runden. Die Mathematik ist brutal.

Die Ursache liegt in der neuen Honda-Power-Unit, deren Vibrationen sich durch das gesamte Fahrzeug fressen und ungefiltert in Hände und Füße der Fahrer übertragen. Alonso selbst beschrieb das Gefühl nüchtern: Irgendwann würden Hände und Füße taub. Was das nach einem Monat Dauerbetrieb unter solchen Bedingungen bedeuten würde, wage er kaum einzuschätzen.

Spiegel fallen ab, rücklichter fallen ab — und die träume auch

Spiegel fallen ab, rücklichter fallen ab — und die träume auch

Die gesundheitlichen Risiken sind dabei nur die sichtbarste Spitze des Problems. Die Vibrationen verursachen auch handfeste Zuverlässigkeitsschäden am Boliden selbst. Newey zählte auf: Spiegel, Rücklichter — Teile, die sich beim Fahren schlicht lösen. Ein Rennwagen, der sich selbst zerlegt, ist kein Rennwagen. Er ist eine Baustelle auf vier Rädern.

Entdeckt wurden all diese Probleme während der Testfahrten in Bahrain. Das Team arbeitet nach eigenen Angaben gemeinsam mit Honda an Lösungen. Die freien Trainings am Freitag sollen erste Erkenntnisse liefern — wobei die Erwartungshaltung nach diesem Desaster kaum niedriger sein könnte.

Der fünfjahresplan, der gerade in flammen steht

Der fünfjahresplan, der gerade in flammen steht

Was diesen Moment so bitter macht, ist der Kontext. Lawrence Stroll, der milliardenschwere Eigentümer, hat seit Jahren Unsummen in dieses Team gepumpt. Ein ambitionierter Fünfjahresplan sah vor, dass Aston Martin genau in dieser Saison um Siege und Titel fahren sollte. Genau deshalb holte man Alonso 2023. Genau deshalb verpflichtete man Newey, den Mann, der bei Red Bull eine Ära geprägt hat wie kaum ein anderer Konstrukteur in der Geschichte des Sports.

Und nun steht Newey als Teamchef vor einer Situation, in der er nicht weiß, ob seine Fahrer das Rennen überhaupt zu Ende fahren können, ohne sich dabei körperlichen Schaden zuzufügen. Die neue Formel-1-Ära mit einem Elektroanteil von fast 50 Prozent im Antriebsstrang sollte Aston Martin beflügeln. Bisher hat sie das Team auf den Boden der Realität geholt — und das mit einer Härte, die selbst hartgesottene Beobachter überrascht.

Aus dem erhofften Durchbruch ist vorerst ein Lehrstück in Demut geworden. Und Fernando Alonso, zweifacher Weltmeister und einer der erfahrensten Fahrer, den dieser Sport je gesehen hat, sitzt in einem Auto, das ihm schadet. Das ist der Stand der Dinge am Morgen des Australien-Wochenendes.