Nfl rüttelt am kalender: seahawks eröffnen schon am mittwoch
Mittwoch statt Donnerstag – die NFL schiebt ihr Saisonstart-Ritual um 24 Stunden nach vorn. Seattle wird zum Schauplatz einer Premiere, die zuletzt vor 13 Jahren passierte.
Warum der kickoff diesmal schon am mittwoch fällt
Der Grund liegt 13.000 Kilometer entfernt: Melbourne. Dort treffen die Los Angeles Rams und die San Francisco 49ers am Donnerstag, 10. September, aufeinander – das erste reguläre NFL-Spiel in Australien. Weil der amtierende Super-Bowl-Champion traditionell das Eröffnungsspiel bestreitet, rückt die Liga den Kickoff auf den Vorabend. Die Seahawks, letztjährige Divisionssieger, übernehmen die Ehre.
Das sorgt in Seattle für ein logistisches Puzzle. Am 9. September empfangen die Seattle Mariners im Baseball die Houston Astros, die Seattle Sounders bestreiten ein MLS-Heimspiel – und beide Teams nutzen wie die Seahawks das Lumen Field. Die Stadt wird zum Sport-Drehkreuz, Parkhäuser und Stadionflächen müssen innerhalb von Stunden umgerüstet werden. Die MLB und MLS signalisieren bereits, dass sie ihre Anwurfzeiten verschieben werden.

Ein historischer terminknackser mit folgen
Ein Mittwoch-Kickoff ist ein Fünf-Jahres-Ereignis. 2012 entschied die Liga ebenfalls für einen Mittwoch, weil Barack Obama am folgenden Donnerstag seine Rede auf dem Demokraten-Parteitag hielt. Die Quote stieg trotz des Wochentags um 8 % – ein Argument, das NFL-Commissioner Roger Goodell intern gern anführt, wenn er gegenüber den Klubbossen auf internationale Wachstumszahlen pocht.
Für deutsche Fans bedeutet das: Der Wecker klingelt nicht um 2.30 Uhr nachts, sondern schon um 1.30 Uhr in der Nacht zum Donnerstag. Die erste Interception, der erste Touchdown der Saison – sie fallen in eine Stunde, in der sonst nur Taxifahrer und Nachtschwärmer wach sind. Die NFL Europe Shop-Zahlen zeigen, dass deutsche Abonnenten der Game-Pass-Plattform in Woche 1 durchschnittlich 47 Minuten länger streamen als US-Nutzer. Ein früherer Start treibt diese Zahl nach oben.
Der genaue Gegner der Seahawks bleibt bis Anfang Mai unterschrtiegen, wenn die Liga den vollständigen Spielplan veröffentlicht. Fest steht: Arizona, Dallas, New York, Chicago, Kansas City, die Chargers oder die Patriots reisen nach Seattle. Keine leichte Auswahl. Die Cardinals haben in den letzten fünf Jahren in Woche 1 dreimal gewonnen, die Chiefs erst einmal verloren – gegen die Seahawks.
Die Entscheidung für den Mittwoch ist also mehr als ein Kalendertrick. Sie ist ein Signal, dass die NFL ihre internationalen Partner nicht länger hinter dem heimischen TV-Fenster versteckt. Das nächste Ziel: Madrid 2026. Wer dann den Kickoff bestreitet, steht noch nicht fest. Nur eins ist sicher: Der Wecker klingelt wieder eine Stunde früher.
