Neuer zieht mit 40 real madrid den zahn – und lacht über den pfostenkiller
Manuel Neuer stemmte den kleinen Silberpokal in die Höhe, als hätte er gerade die Champions League gewonnen – stattdessen war es nur der „Player of the Match“-Award. Aber nach 90 Minuten Bernabéu, in denen er neineinhalb Schlimmkeiten verhinderte, kam ihm die Trophäe wie der nächste Titel vor. „War das erste schon drin? Ist ja 'ne Frechheit“, sagte er grinsend ins Prime-Mikro und schob sich selbst den Joker an: „Dann ist's halt ein Torwartfehler.“
Der 39-sekunden-tod und die 89-minuten-qual
Kylian Mbappé traf in der 39. Sekunde der zweiten Hälfte. Der Ball rutschte durch Neuers Hände, streifte die Latte, landete hinter der Linie. 1:2. Der einzige Moment, in dem der Rekordmeister hinten lag. Davor hatte Neuer Vinícius dreimal in den Wahnsinn getrieben, Mbappé zweimal per Fußspitze abgeblockt und Antonio Rüdiger mit gestrecktem Arm davongehalten, dass die Königlichen schon vor der Pause das Spiel platt machen. „Bayerns bester Spieler“, sagte Rüdiger nach dem Abpfiff. „Eins mit Sternchen“, ergänzte Mats Hummels. „Weltklasse-Leistung.“
Die Zahlen sind so absurd, dass sie fast langweilen klingen würden, wäre da nicht die Luft zwischen den Fingern. Neun xG verhindert, laut Opta ein Rekord in dieser Saison. Drei Big Chances allein gegen Vinícius in der 23., 56. und 67. Minute. Zwei Reflexe gegen Mbappé, die eigentlich nicht zu stoppen waren. Und dann dieser eine Ball, der doch durchrutschte. „Ich war noch dran“, sagte Neuer, „aber er fand den Millimeter zwischen Hand und Latte. Das ist Fußball.“

Die aura, die selbst tah in den bann zog
Jonathan Tah stand nach dem Spiel in der Mixed Zone und redete wie ein Fanboy. „Wenn du vor ihm stehst, spürst du diese Aura. Er redet nicht viel, aber wenn er redet, hören alle zu.“ Was er sagt? „Positionierung ist alles. Wenn du früh stehst, musst du nicht mehr retten.“ Das haben die Bayern intern so gelernt. Neuer schreit nicht, er deutet. Ein Wink, ein Nicken, ein kurzer Satz. „Links aufrücken, Tah!“ Und plötzlich steht Vinícius im Abseits.
Die wahre Magie passiert aber vor dem Pass. Neuer beginnt den Pressing-Trigger schon dann, wenn Real den Ball im Aufbau hat. Er positioniert sich einen halben Meter vor dem Strafraum, zieht die Abwehr nach links, lenkt die Mitte. Vinícius bekommt den Ball, sieht das Loch, will durchstarten – und trifft auf Neuer, der längst da ist. „Er weiß, was er wann macht“, sagt Hummels. „Das ist das Beeindruckendste.“

40 Jahre, 193 cm, 0 langeweile
Die Frage, die ihm seit Monaten hinterherläuft: Wie lange noch? „Es macht Spaß mit den Jungs, mit dem Trainerteam“, sagt er und klingt dabei nicht wie ein Rentner, sondern wie ein Torhüter, der gerade entdeckt hat, dass er noch schneller ist als mit 30. Die Antwort bleibt offen. Sein Vertrag läuft 2026 aus. Die Leistung spricht für Verlängerung, das Alter gegen. Aber wer will ihn nach so einer Nacht schon abschreiben?
Am Mittwoch kommt Real in die Allianz Arena. Da wird Mbappé wieder starten, Vinícius wieder dribbeln, und irgendwann wird wieder dieser eine Moment kommen, in dem Neurer entscheiden muss: raus oder stehen. Dann zählt nur noch der Millimeter zwischen Hand und Latte. Und vielleicht der nächste Silberpokal.
