Neuer wird 40: seine letzte parade steht bevor

Am Freitag schlägt das Uhrwerk der Fußballwelt für Manuel Neuer die 40. Stunde. Kein anderer deutscher Torwart regierte so lange auf höchstem Niveau – und keiner wurde so oft gefragt, wann er endlich aufhört.

Die zahlen lügen nicht: 372 siege, 245 nuller, 34 titel

Seit 2011 steht Neuer zwischen den Pfosten des FC Bayern, seit 15 Jahren zieht er den Rekordmeister mit Handschuhen aus Titan. 372 Siege in der Bundesliga, 245 Mal blieb er ohne Gegentor – beides Bestmarken, die selbst Oliver Kahn nicht erreichte. Nun droht der erste Vertrag ohne Verlängerung, und die Frage kreist wie ein Flatterball im Sechzehner: Macht er noch ein Jahr durch oder beendet er mit dem Sommer eine Ära?

Der Körper gibt Antworten, aber keine eindeutige. Zweimal riss sich die Wade in diesem Jahr, insgesamt sechs Spiele saß er neben dem Feld. „Ich muss auf meinen Körper hören“, sagte Sportdirektor Christoph Freund, als wäre Neuer ein Radio, dessen Frequenz immer schwächer wird. Die Muskeln melden sich, das Knie meldet sich, selbst die Zehen haben Erinnerungen an den Skisturz von 2022, der ihn zehn Monate lahmlegte.

Kompany nennt 40 „jung“, urbig nennt es „chance“

Kompany nennt 40 „jung“, urbig nennt es „chance“

Vincent Kompany, selbst 38, wirft den Begriff „jung“ in den Raum und meint damit nicht die Jahre, sondern den Blick. Sein Blick richtet sich aber schon auf Jonas Urbig, 21, der in Neuers Pause nicht nur parierte, sondern auch parieren ließ. Urbig ist kein Ersatz, er ist ein Statement: Der FC Bayern ist „für die Zeit nach Manuel sehr gut aufgestellt“, sagt Freund und klingt dabei wie ein Mann, der schon den Nachruf schreibt.

Max Eberl wiederum schwört, mit 40 sei Neuer „immer noch ein Top-Torhüter in Europa“. Das Problem: Europa interessiert sich nicht für Geburtstage, sondern für Spiele. Und die werden rarer. Drei Jahre lang war die Wade sein größter Gegner, nicht Robert Lewandowski oder Erling Haaland. Ein kleiner Faserriss wirft große Schatten auf die Motivation, die Kompany so gern nach außen kehrt.

Die entscheidung fällt im stillen, nicht im sturm

Die entscheidung fällt im stillen, nicht im sturm

Neuer feiert an diesem Freitag mit seiner Familie, nicht mit der Presse. Die Gespräche mit der Klubführung laufen im Hinterzimmer, nicht im Mixed-Zone-Chaos. Thomas Müller, sein langjähriger Mitspieler, wird wohl eine weitere Saison spielen – und damit vielleicht alleiniger Rekordmeister. Neuer könnte ihm gleichziehen, wenn er die Schuhe noch einmal schnürt. Die Frage ist nur: Will er noch einmal ins kalte Wasser springen, wenn das warme Bett der Legende schon bereitsteht?

Am 30. Mai endet der Vertrag, am 31. Mai könnte er als 40-jähriger Double-Gewierter in den Urlaub fahren. Oder als 40-jähriger Spieler mit neuer Saison, neuen Zielen, neuen Schmerzen. Die Uhr tickt lauter als je zuvor. Und Manuel Neuer? Er weiß, dass Torhüter nicht mit Pausen leben, sondern mit Enden. Sein Ende rückt näher – nur die Art des Abschlags bestimmt noch er selbst.