Krickau zieht die notbremse: nur ein sieg in magdeburg hält berlins titeltraum am leben
Ein Blick auf die Tabelle genügt. Gewinnt der SC Magdeburg, könnte der Vorsprung auf die Füchse Berlin auf fünf Punkte steigen – bei noch fünf Spielen bis zur Relegationsrunde. „Dann ist die Meisterschaft gelaufen“, sagt Nicolej Krickau, ohne Umschweife. Der Trainer der Füchse spricht offen aus, was andere nur denken: Das Ost-Derby am Sonntag (18:00 Uhr, GETEC Arena) ist kein gewöhnliches Spiel. Es ist die letzte Schallmauer zwischen Magdeburg und der vorzeitigen Festigung der Meisterschaft.
Krickau rechnet hart mit magdeburg
Die Füchse haben neun Siege in Folge. Trotzdem stehen sie nur auf Platz drei. „Wir sind vielleicht die letzte Mannschaft mit einer kleinen, kleinen Chance“, sagt Krickau. Der Begriff „Titelkampf“ ist für ihn ein mathematisches Konstrukt. „Gewinnen wir, kriegen wir ein oder zwei Prozent mehr Wahrscheinlichkeit.“ Er sagt das nicht mit Pathos, sondern mit der Gelassenheit eines Mannes, der weiß, dass seine Mannschaft in der Arena in Magdeburg schon einmal gewonnen hat – vor genau einem Jahr mit 33:30. Damals war es der Schritt zur ersten Meistersung der Klubgeschichte.
Die Magdeburger haben zuletzt zwei Pflichtspiele verloren, in Melsungen und im EHF-Cup gegen GOG. Für Krickau kein Grund zur Euphorie. „Die spielen zu Hause, die sind die Favoriten“, sagt er. Dass sein Team seit der Winterpause aufwärts tendiert, sieht er trotzdem. „Wir haben besser und besser gespielt. Jetzt kommt die Phase, wo wir echt gut spielen müssen.“

Gidsel sieht berlin als außenseiter – und magdeburg als maß aller dinge
Mathias Gidsel redet nicht um den heißen Brei herum. „Für mich ist Magdeburg die zweitbeste Mannschaft in Deutschland“, sagt der Welthandballer. Er nennt keinen Grund, warum das so ist. Es klingt wie ein Naturgesetz. Die Brisanz des Ost-Derbys kennt er. „Das war letztes Jahr eine unfassbare Rivalität.“ Er spricht von der Play-off-Serie, die Berlin mit 2:1 gewann – nach zwei Verlängerungen und einem Finale, das die Fans in beiden Städten bis heute zittern lässt.
Dabei will Gidsel das Spiel nicht größer machen, als es ist. „Am Ende ist es Handball. Das ist immer der gleiche Sport.“ Er sagt das mit der Coolness eines Mannes, der in diesem Jahr bereits 124 Tore für Berlin erzielt hat. Doch auch er weiß: „Wenn du etwas gewinnen willst, dann musst du Magdeburg schlagen.“
Die Rollen sind klar verteilt. Magdeburg hat die Punkte, das Heimrecht, die Breite. Berlin hat den Außenseiter-Status – und die Erfahrung, dass es geht. „Ich habe nur einmal geschafft, dort zu gewinnen“, sagt Gidsel. Genau einmal. Aber dieses eine Mal war der Beginn von Berlins Meister-Märchen. Ob es ein zweites gibt, entscheidet sich am Sonntagabend in der GETEC Arena. Die Uhr tickt. Für Berlin. Für Magdeburg. Für die Meisterschaft.