Neuer wird 40, der fc bayern jubelt: 2:1 im bernabéu nach 25 jahren durststrecke
Um 23:07 Ortszeit pfiff Srđan Jovanović ab, um 23:11 knallte Jan-Christian Dreesen die Champagnerkorken durch die Nacht von Madrid. Der FC bayern hatte Real Madrid erstmals seit dem 0:1 von Giovane Élber im Mai 2001 wieder im Bernabéu besiegt – und das mit einem 40-jährigen Torwart, der wie ein zwölf Jahre alter Sprinter wirkt.
Manuel neuer war das x-faktor, das madrid nicht hatte
„Unser Cuarentón“, rief Dreesen in Richtung Neuer, „du warst heute außerirdisch.“ Die Statistik gibt ihm recht: sieben Paraden, davon drei gegen Bellingham aus kurzer Distanz, ein Reflex gegen Vinícius nach einer Ecke, die längst 1:1 hätte bedeuten können. Die Expected Goals von Real lagen bei 2,4 – das Ergebnis bei 1. Die Differenz trägt Handschuhe und die Nummer 1.
Die bayern feierten im Bus Richtung Hotel Eurostars Madrid Tower, doch die Musik war gedämpft. Joshua Kimmich schaltete zwischen zwei Songs kurz die Lautstärke herunter und sagte: „Jungs, denkt an Liverpool 2019. Wir haben hier nur die Halbzeit geschafft.“ Die Erinnerung sitzt tief: nach dem 1:0 im Achtelfinale damals folgte ein 1:3 im Rückspiel. Keiner will Madrid eine Rechnung offen halten.

Polizei-einsatz sorgt für wut statt jubel
Während die Spieler noch in ihren Anzügen standen, flatterte Dreesen ein Bericht der Süddeutschen Zeitung ins Handy. Darin: Zeugenaussagen über vermeintliche Fälschungen bei bayern-Fan-Ausweisen und eine Razzia mit Hunden an den Eingängen 13 und 14. „Unsere Leute wurden wie Randalierer behandelt“, schimpfte der Vorstandsvorsitzende. „Ein Fan mit Prothese musste seine Gehhilfe auseinanderbauen, weil die Polizei vermutete, er verstecke darin Pyrotechnik.“
Die Vorab-Sicherheitsbesprechung am Dienstagvormittag war schon seltsam verlaufen. Der spanische Kommandant erschien im kompletten Anti-Riot-Gear, Helm unter dem Arm, Stiefel bis zum Knie. „Das war keine Vorbereitung, das war eine Drohung“, sagt ein bayern-Delegierter, der anonym bleiben will. Der Klub prüft eine offizielle Beschwerde bei der UEFA, die Zahlen sprechen für sich: 78 bayern-Anhänger wurden am Rande des Spiels festgehalten, keiner wurde angeklagt.

Ein souvenir für den goat und ein hinweis auf münchen
Vor dem Abflug am Mittwochmorgen überreichte Sportdirektor Christoph Freund Neuer ein kleines Metallplättchen: ein Stück Rasen vom Bernabéu, eingebettet in eine Münze mit der Prägung „GOAT in Madrid“. Neuer lachte, steckte das geschenkte Trophäen-Stück ein und sagte: „Ich hoffe, ich darf es in zwei Wochen in München ergänzen.“
Denn die Rechnung ist einfach: Wer im Halbfinale der Champions League ein 2:1 auswärts holt, darf zwar träumen, aber nicht pennen. Madrid hat in dieser Saison schon Leipzig (2:1 nach 0:1) und City (4:3 nach 1:2) gedreht. Die Bayern? Sie haben auswärts zwar geschlagen, doch daheim kassierten sie gegen Arsenal noch einen Punkt. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Rückspiel wieder auf dem Torwart entscheidet, liegt bei 38 Prozent – so hoch war Neuers Anteil an den Punkten in den K.o.-Duellen seit 2020.
Am Donnerstag trainiert die Mannschaft wieder in München, Neuer wird 40 Jahre und drei Tage alt sein. Dreesen hat schon einen neuen Satz bereit: „Wenn er so weiterspielt, werden wir ihn mit 41 verlängern.“ Die Nacht von Madrid ist vorbei, der Kampf um die Nacht von München beginnt. Und der FC Bayern weiß: Ein Tor rechtzeitig, und der Bernabéu-Coup wird zur Fußnote. Ein Tor zu spät, und er bleibt die einzige Erinnerung an einen Abend, der eigentlich gar nicht so weit weg war – nur 25 Jahre und 90 Minuten.
