Neue tennis-ära: jódar und fonseca schreiben das nächste kapitel

Die Zuschauer auf der Manolo-Santana-Anlage ahnen es schon, bevor der erste Aufschlag fliegt: Heute Abend könnte um 21.30 Uhr eine Rivalität beginnen, die das Tennis in den kommenden Jahren bestimmt – und vielleicht schon in zwei Wochen in Paris für ersten Stoff sorgt.

Rafa jódar und joao fonseca liefern sich in madrid das erste kapitel eines duells, das alcaraz und sinner beerben soll

Rafa jódar und joao fonseca liefern sich in madrid das erste kapitel eines duells, das alcaraz und sinner beerben soll

17 Siege in 25 Matches, davon drei gegen Top-10-Spieler – das ist kein Next-Gen-Papier, das ist ein Statement. Der 19-jährige Leganés-Junge hat 2024 mehr Partien auf dem Buckel als Jannik Sinner (36 zu 27) und schon jetzt mehr Profisiege als Rafael Nadal in seinem ersten Jahr. Die Zahl spricht für sich: Jódar ist kein Geheimtipp mehr, er ist der Unruheherd im ATP-Feld.

Gegenüber steht Joao Fonseca, ebenfalls 19, ebenfalls mit Trophäe in der Vitrine. Der Brasilianer kam über die Quali und profitierte zwar vom Rückzug von Marin Cilic, doch wer ihn in den vergangenen Monaten beobachtete, weiß: Der Sprung in die dritte Runde ist keine Geschenk, sondern logische Konsequenz. 15 Siege in seiner ersten Profisaison, ein Körper, der schon jetzt aussieht, als hätte er Jahre auf der Tour verbracht, und ein Vorhand-Tempolimit, das selbst erfahne Balljungen ins Stolpern bringt.

Im Schatten von Carlos Alcaraz und Jannik Sinner haben die beiden 2006er die Next-Gen-Rangliste längst übernommen: Jódar führt mit 819 Punkten, Fonseca folgt mit 540 – Dritter ist der ebenfalls spanische Martín Landaluce mit 295. Die Distanz ist klaffend, die Botschaft eindeutig: Spanien und Brasilien liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das an die alten Tage von Nadal gegen Gustavo Kuerten erinnert – nur in Jugend-Edition.

Die Organisatoren des Mutua Madrid Open reagierten sofort: Letzter Slot, Center Court, Lichter aus, Spot an. Die Loge ist besetzt. Jannik Sinner wird zuschauen – nicht aus Neugier, sondern aus Berechnung. Wer in Paris den Grand Slam komplettieren will, muss wissen, wer ihm im Viertel droht. Und vielleicht schon in der dritten Runde.

Ángel Ruiz Cotorro, Mannschaftsarzt der spanischen Tennis-Föderation, sitzt heute neben Jódars Vater auf der Bank. Sein Blick gilt weniger dem Score, sondern dem Knöchel, der Schulter, dem Herzfrequenz-Monitor. „Der Körper ist noch im Bau“, sagt er leise. „Aber das Timing sitzt.“ Fonseca dagegen wirkt, als hätte ein Bildhauer ihn fertig geschliffen. Die Muskeln sind da, die Bewegungsabläufe schon serienreif. Die Frage ist nicht, ob er mithalten kann, sondern wie lange Jódar ihm folgt.

Wenn heute Nacht der letzte Ball über das Netz segelt, steht möglicherweise schon der Name des nächsten Major-Gewinners fest. Oder zumindest des Spielers, der Novak Djokovic das Leben schwer machen wird, sobald der Serbner die Nachfolge der eigenen Ära abschließt. Denn während Djokovic noch einmal durchstartet, bereiten sich Jódar und Fonseca darauf vor, das nächste Kapitel zu schreiben – mit 19, ohne Bremse und mit dem Wissen, dass sie heute nur die erste Seite umblättern.

Die Uhr tickt. Die Tribüne füllt sich. Und irgendwo in Rom schaltet Sinner den Stream ein.