Nawrath jagt laegreid: 18 sekunden bis zum triumph in otepää

Philipp Nawrath lädt auf. Nach zwei Podestplätzen in Serie steht er vor der ersten Saisonsensation – 18 Sekunden trennen ihn im Verfolgungsrennen von Spitzenreiter Sturla Holm Laegreid.

Der deutsche mit dem kühlen puls

Der deutsche mit dem kühlen puls

Der 31-Jährige schob sich in Otepää wie ein Glätteisen durch die Loipe. Kein Fehler, keine Nervosität. Laegreid musste zittern, Jacquelin zog vorbei – Nawrath blieb dran. „Ich habe noch Reserve“, sagte er nach dem Sprint. Die Zahlen bestätigen es: Mit 24,3 km/h war er auf den letzten Kilometern schneller als der Norweger.

Die Verfolgung beginnt um 14:15 Uhr live im Ersten. Wer glaubt, dass Nawrath nur den dritten Platz verteidigt, unterschätzt seinen Endspurt. In Oberhof schoss er sich von Rang sieben aufs Podest. Heute könnte die Krönung folgen.

Laegreid hat die Führung, aber er schwitzt. Der Wind dreht, die Sonne taucht die Strecke in weiches Licht – ideale Bedingungen für einen Jäger. Nawrath kennt jeden Hügel, jeden Kurvenradius. Er trainiert seit Jahren in Estland, spricht ein paar Worte Estnisch, lacht mit den Ordnern. Das Publikum ist auf seiner Seite.

Die Franzosen um Jacquelin wollen nachlegen, die Norweger um Bö schielen auf Revanche. Doch die deutsche Mannschaft hat ein Ass: Nawraths Schießtrainer hat die Windbahnen analysiert, die Visiere um 0,2 Millimeter korrigiert. Kleine Schraube, große Wirkung.

18 Sekunden klingen nach Sicherheit. In der Loipe sind es acht Schritte, ein Atemzug, ein Ziel. Nawrath wird angreifen. Und wenn er in der letzten Runde die Führung übernimmt, dürfte in Otepää kein Stein mehr auf dem anderen bleiben.