Nationen treffen sich im sand: spaniens beach-volley-team jagt den traum von budapest

Madrid – Ein Hauch Davis-Cup-Stimmung weht durch das Beach-Volleyball-Zentrum Puerta de Hierro. Kein normales World-Tour-Turnier, sondern die Nations Cup: Länder treten an, nicht nur Paare. Sieger winkt das Finale in Budapest, Ticket zum EuroBeachVolley 2026.

Gavira schaltet auf kapitän-modus

Adrián Gavira, 35, Olympia-Vierter und dienstälteste Leuchte im Team, schultert Verantwortung. „Wenn ich draußen stehe, muss ich lauter sein als der gegnerische Block. Jeder Punkt zählt für Spanien, nicht für mein Konto“, sagt er zwischen zwei Behandlungen an der rechten Schulter. Die Physios stopfen Eis unter sein Trikot – er lächelt. „Italien ist unser Maßstab. Wir wollen sie vorzeitig, am besten im Viertelfinale.“

Die Zahlen geben ihm recht: Die Squadra Azzurra führt die Gruppe A mit nur einem Satzverlust, doch Spanien folgt dicht dahinter. Ein direktes Duell am Samstagabend würde das Ticket quasi versiegeln. „Perfekt, um Dampf abzulassen“, flüstert Gavira seinem Partner Alejandro Huerta zu. Der wiederum träumt laut: „Wenn wir sie schlagen, zieht die ganze Arena mit uns.“

25 Jahre jung und schon auf der flucht nach vorn

25 Jahre jung und schon auf der flucht nach vorn

Jeene Nijkamp ist das Paradebeispiel für den Generationswechsel. Erst 25, frisch eingebürgert, spielt sie ihre erste Saison im roten Dress. „Ich bin hier, um zu gewinnen, nicht um Fotos zu machen“, sagt die Haarlem-Marathon-Läufer-Tochter und schmettert einen Aufschlag gegen das Band. Ihre Statistik: 9 Asse in zwei Spielen, beste Quote des Turniers.

Neben ihr wirbelt Tania Moreno. Die Madrilenin trägt Heimvorteil wie ein zweites Trikot. „Letztes Jahr habe ich im Futures-Final verloren – dieselbe Anlage, dieselbe Hitze. Diesmal soll die Trophäe hier bleiben“, erklärt sie und deutet auf das Viertel, wo sie mit ihrer Mutter das erste Mal einen Ball über das Netz schlug. „Dieses Turnier ist ein Geschenk für alle, die mich damals gecoacht haben.“

Teamgeist statt einzelkämpfertum

Teamgeist statt einzelkämpfertum

Während sonst Paare gegen Paare antreten, zählt in Madrid der Gesamtsieg. „Wir jubeln, während die anderen spielen. Das ist neu“, sagt Ana Vergara. Die 24-jährige Outside-Hitterin der Frauen hat in der Vorrunde bereits 38 Punkte geholt. „Das schweißt zusammen. Im Training treten wir gegeneinander an – hier sind wir eine Einheit.“

Die Konsequenz: Spanien hat bisher beide Matches 3:1 gewonnen. Die Männer holten zwei Punkte, die Frauen einen. Gegner wie die Niederlande mussten sich geschlagen geben, obwohl ihr Top-Paar van der Vlist/Nummerdor Weltranglisten-Dritte ist. „Koordination schlägt Klasse“, sagt Bundestrainer Javier Martín. „Und der Lärmpegel hier drin ist wie in einem Fußballstadion.“

Ticket oder trümmer – das rennen läuft

Am Freitagabend steht das letzte Vorrundenspiel gegen Österreich an. Ein Sieg, und Spanien ist vorzeitig im Halbfinale – damit fix in Budapest. Verliert das Team, droht das Aus. „Wir haben nicht vor, nach Hause zu fahren“, sagt Sofía González. Die 22-jährige Debütantin blickt auf die Anzeigetafel: 470 Punkte für die Weltrangliste, 25.000 Euro Preisgeld und ein Platz unter den besten acht Nationen Europas.

Die Uhr tickt. Die Sonne brennt auf 38 Grad. Und im Sand arbeiten zwölf Athleten, ein Coach, zwei Physios – alle unter derselben Fahne. Wer in Madrid gewinnt, schreibt Geschichte. Wer verliert, kann nur zuschauen, wenn im Juli am Ufer der Donau der Europameister gekürt wird. Spanien will dabei sein. Punkt.