Nagelsmann zieht seine erste wm-liste – und lässt die bombe platzen
Julian Nagelsmann hat seinen ersten Kader im WM-Jahr präsentiert – und dabei bewiesen, dass er sich die Freiheit nimmt, auch unangenehme Entscheidungen zu treffen. Die größte Überraschung: Anton Stach von Leeds United steht zum ersten Mal im Aufgebot der Nationalmannschaft. Der 27-Jährige war bislang nie Teil des DFB-Teams, obwohl er in der Premier League eine starke Saison spielt. Nagelsmann hatte ihn im kicker noch als „nicht enorm kopfballstark“ und „nicht der Top-Zweikämpfer“ bezeichnet – nun ist er Teil der 26-köpfigen Truppe.
Stachs nominierung ist ein statement
Es ist keine Lücke im System, sondern eine bewusste Entscheidung. Nagelsmann will Flexibilität, er will Spieler, die sich in verschiedene Rollen einfügen können. Stach bringt Laufkraft, Ballsicherheit und eine ungewöhnliche Laufbahn mit: Erst zweite Liga, dann England, nun die Nationalmannschaft. Für ihn ist es der Lohn für konstante Leistungen, nicht für Medienhype.
Die Rückkehr von Deniz Undav ist dagegen eine logische Konsequenz. Der Stuttgarter ist in Topform, beteiligt sich in den letzten zehn Pflichtspielen an elf Toren. Doch auch er weiß: Ein Platz im endgültigen WM-Kader ist noch längst nicht sicher. Denn Nagelsmann hat noch keine Antwort auf die zentrale Frage: Wer soll im Sturmzentrum die Bälle festmachen, wenn Kai Havertz mal nicht kann?

Die torhüter-frage ist entschieden – ohne großes tamtam
Oliver Baumann wird die Nummer eins sein. Punkt. Nach dem Rücktritt von Manuel Neuer und der Verletzung von Marc-André ter Stegen ist Baumann der erfahrene Mann zwischen den Pfosten. Alexander Nübel wird seine Reserve sein, Jonas Urbig darf sich als Dritter beweisen. Es ist keine Revolution, aber eine klare Linie. Nagelsmann vertraut auf Kontinuität, nicht auf Spekulation.
Die größten Fragezeichen tragen die Namen Jamal Musiala und Tim Kleindienst. Musiala fällt wegen einer Schmerzreaktion am Fuß aus, Kleindienst ist verletzt, Füllkrug außer Form. Es sind genau diese Lücken, die Nagelsmann bis Juni schließen muss. Denn dann muss die Liste bei der FIFA feststehen – und bis dahin wird es keine großen Umbrüche mehr geben.
Was bleibt, ist ein Kader, der zwischen Anspruch und Realität pendelt. Mit einigen jungen Wilden wie Lennart Karl (18), mit Routiniers wie Antonio Rüdiger, der nach seiner Verletzungspause zurückkehrt, und mit einigen offenen Rechnungen. Nagelsmann hat nicht die perfekte Lösung präsentiert – aber eine, die Raum für Entwicklung lässt. Und das ist im WM-Jahr vielleicht das Wichtigste.
