Nagelsmann wirft 18-jährigen bayern-flügler vor der wm ins nationalteam

Lennart Karl spielt morgen noch für die U21, am Donnerstag steht er im Kader der A-Nationalmannschaft. So schnell kann sich das Leben ändern, wenn Julian Nagelsmann einen Namen auf sein Blatt schreibt.

Der dribbler aus der bayern-schmiede

18 Jahre, 32 Pflichtspiele, sieben Tore, fünf Vorlagen – und jetzt die vorzeitige Promotion in den erlauchten Kreis der Weltmeister von 2014. Der Offensivmann, der in der Jugend noch gegen ältere Verteidiger ausprobiert wurde, soll schon gegen die Schweiz (27. März) und Ghana (30. März) ran. Keine PR-Geste, sondern klare Leistungslogik: In seinen ersten beiden U21-Einsätzen traf Karl dreimal, danach war für Nagelsmann die Schublade „zukunftsträchtig“ endgültig offen.

Die Entscheidung fällt am Donnerstag um 14.00 Uhr in Frankfurt. Wer die Bayern-Innenpolitik kennt, weiß: Karl hat sich den Platz nicht schenken lassen. Am Sabener Straße spricht man von einem „Trainingrat“, weil der Youngster nach jedem Abschluss 20 Minuten Extra-Dribbling einlegt – mit Schweißband statt mit Instagram-Filter. Das war schon vor seinem ersten Profi-Vertrag so und ist es geblieben, nachdem die großen Klubs im Winter anklopften.

Warum jetzt und nicht später?

Warum jetzt und nicht später?

Nagelsmann baut lieber ein Jahr zu früh als eine Sekunde zu spät. Mit Musiala und Wirtz hat er gelernt: Wer europaweit Begeisterung entfacht, braucht keine B-League, sondern sofort internationale Brennpunkte. Die Testspiele sind dafür ideal – sie liefern Daten, ohne Punkte kosten zu müssen. Karl wiederum liefert Tempo, das die deutsche Außenbahn seit Gnabry-Prime vermissen lässt. 34 km/h Spitzengeschwindigkeit, 62 % erfolgreiche Dribblings, ein linker Fuß, der sich nach Innen wie nach Außen öffnet – das reicht, um selbst erfahrene Bundeslig-Backs ins Nachsitzen zu schicken.

Die Personalie wirkt wie ein Seismograph für den gesamten Kader: Nagelsmann will keine Altersheime, sondern eine Mischung aus Erfahrung und Explosivität. Karl ist das Sprüngchen in die Zukunft, das die WM-Planungen schon jetzt bunt macht. Sollte er Minuten bekommen, wäre er der jüngste deutsche Debütant seit 1995 – und der erste, der mit Nike-Dribbling-Kollektion aufläuft, die eigens für ihn designt wurde. Marketing? Vielleicht. Aber vor allem ein Zeichen dafür, dass der deutsche Fußball wieder bereit ist, jugendlichen Mut über Etikette zu stellen.

Die Uhr läuft. In knapp 24 Stunden erfährt Karl, ob er seinen Koffer Richtung Nationalmannschaft packt. Die Entscheidung ist längst gefallen – Nagelsmann wird ihn nennen. Die Frage ist nur, wie viele Minuten der 18-Jährige bekommt, bevor die WM-Plane nach Hause fliegen. Eines steht fest: Mit jedem Ball, den Karl am Flügel trägt, schreibt der DFB ein Stück weg von der Vergangenheit und hinein in eine Zukunft, die plötzlich wieder Tempo hat.