Nagelsmann verliert wm-kandidaten: nmecha und ter stegen fallen aus
Julian Nagelsmann muss zwei Wochen nach seiner WM-Ankündigung bereits den nächsten Rückschlag verkraften. Felix Nmecha und Marc-André ter Stegen, beide für die Startelf geplant, drohen das Sommerturnier zu verpassen. Die Knieblessur des Dortmunders und die Oberschenkelverletzung des Barca-Keepern werfen den deutschen Kaderplan durcheinander.
Die außenband-diagnose, die alles verändern könnte
Nmecha, erst vor wenigen Tagen von Nagelsmann als „gute Chance“ auf einen Stammplatz im defensiven Mittelfeld gelobt, erlitt eine Außenbandverletzung im Knie. „Das ist keine Bagatelle“, sagte der Bundestreller gestern auf der Pressekonferenz vor dem Ghana-Spiel. Die medizinische Abteilung der DFB-Elf arbeitet mit Hochdruck an einem Comeback, doch die Zeit arbeitet gegen den 25-Jährigen. „Die WM rückt näher, und wir können kein Risiko eingehen“, so Nagelsmann. Die Entscheidung fällt vermutlich Ende Mai – spätestens.
Der Verlust wäre ein Schlag ins Kontor. Nmecha verbindet Ballgewinn mit Vorwärtsbewegung, eine Mischung, die Nagelsmanns System lebendig macht. Als Ersatz kursieren bereits die Namen Robert Andrich und Emre Can, doch beide bringen andere Profile. Can agiert tiefer, Andrich ist eher Zerstörer als Aufbaumeister. Die taktische Balance droht zu kippen.

Ter stegens langer schatten: zwölf monate ohne spielpraxis
Marc-André ter Stegen hingegen kämpft gegen die Uhr und gegen seine eigene Medizinakte. Seit dem Patellasehnenriss vor zwölf Monaten folgte eine Rückenverletzung, nun die Oberschenkelzerrung in Girona. In Summe: 379 Tage ohne Pflichtspiel. „Wir reden hier nicht von einer kleinen Pause, sondern von einem Jahr ohne Rhythmus“, sagt Nagelsmann. Die Nummer 1-Patina, die er dem 33-Jährigen im Herbst 2024 verlieh, verblasst zusehends.
Die Torhüterfrage ist damit offen. Alexander Nübel und Oliver Baumann liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen, während Manuel Neuer nach seiner Wintersaison bei der Bayern-Knipse laut interner Analyse „90 Prozent“ seines alten Niveaus erreicht hat. Nagelsmann betonte, die Tür für ter Stegen „nicht zuzuschlagen“, doch die Wahrheit ist verbissener: Ein Torwart, der seit dem letzte-Winter-Trainingslager kein internationales Duell mehr bestritt, verschlingt einen WM-Platz, den sich Deutschland im K.o.-System nicht leisten kann.

Die kosten der verletzungswelle
Beide Ausfälle treffen den DFB in der Substanz. Die Planungssicherheit, die Nagelsmann nach der Europameisterschaft wieder herstellen wollte, zerbricht an Bandscheiben und Sehnen. Die Leistungsdichte sinkt, die Alternativen werden dünner. Und die Gegner schauen mit. „Wenn du Spieler wie Nmecha oder ter Stegen verlierst, verlierst du auch Informationen über dein eigenes Spiel“, sagt ein Co-Trainer aus dem Umfeld. Die Automatismen, Monate erarbeitet, drohen sich aufzulösen.
Die nächsten fünf Wochen werden entscheiden. Nmecha absolviert derzeit ein intensives Reha-Programm in Dortmund, ter Stegen arbeitet in Barcelona mit einem Extra-Fitnesscoach. Doch selbst wenn beide fit werden, bleibt die Frage: Wer bringt nach einer Zwangspause sofort WM-Niveau? Die Antwort lautet: niemand. Und deshalb beginnt für Julian Nagelsmann die eigentliche Meisterschaft jetzt – gegen die Zeit und gegen die eigene Taktik.
