Nagelsmann unter beschuss: hoeneß und helmer zerlegen seinen wm-plan
Ein Monat vor dem Eröffnungsspiel in Katar lodert die Debatte um Julian Nagelsmann – und sie wird persönlich. Uli Hoeneß lässt in der F.A.S. die Kanone auf den Bundestrainer glühen, Ex-Nationalspieler Thomas Helmer liefert bei BILD SPORT scharfes Nachspiel. Ihr Vorwurf: keine Konstante, keine klare Hierarchie, kein Stamm.
Hoeneß: „wir schicken eine fremde ins turnier“
Der Bayern- Ehrenpräsident wettert gegen das ewige Experiment. „Die deutsche Mannschaft hat noch nie zweimal hintereinander mit derselben Elf gespielt“, sagt er und versieht die Feststellung mit einem Seitenhieb: „Das habe ich Julian persönlich gesagt.“ Für Hoeneß ist das keine Lappalie, sondern die Ursache für ein mögliches WM-Desaster. Sein Rezept: Vincent Del Bosques Spanien von 2010 – ein Kollektiv, das aus zweiter Garnitur erste Moral destillierte. Doch dafür brauche es Rollenklarheit. Stattdessen frage er sich: „Wer ist Mittelstürmer? Wer ist Nr. 1 im Tor? Wer spielt rechts, wer links?“ Seine Prognose klingt wie ein Drohszenario: „Wir stellen beim ersten Spiel eine Mannschaft auf, die so noch nie zusammenstand. Das geht nicht.“

Helmer sieht „überheblichkeit“ und ein fass ohne boden
Thomas Helmer, 1996 noch Europameister, untermauert die Kritik – mit Nuance. „Faktisch hat er nie dieselbe Elf gewählt, da stimmt Hoeneß“, sagt er, doch dann kommt der zweite Satz: „Er wirkt manchmal so, als hätte er schon alles gewonnen.“ Für Helmer ist das keine Pose, sondern ein Kommunikationsfehler, der auf die Spieler durchschlägt. Am meisten stutzt ihn Nagelsmanns Neuerfindung der Rollengespräche. „Ich weiß nicht mal, was das ist“, gibt er offen zu. „Wenn du mir vor dem Turnier sagst: Du bist ein netter Kerl, du kriegst die 21 – das zerstört Planungssicherheit.“ Sein Fazit: „Julian muss aufhören, Fässer aufzumachen, die es gar nicht gibt.“

Die stoppuhr tickt lauter als nagelsmanns powerpoint
Die EM 2024 liegt nur einen Sommer hinter uns, doch das DFB-Team wirkt gealtert, nicht gereift. Die Personalie Neuer oder ter Stegen schwelt, die Rechtsverteidiger-Frage ist offen, die Sturmspitze ein Puzzle mit zu vielen Teilen. Hoeneß und Helmer sprechen aus, was in Kabinen und Fanforen längst brodelt: ein Turnier gewinnt nicht der taktisch Flexibelste, sondern der, der sich selbst kennt. Noch hat Nagelsmann vier Wochen – vier Wochen, um aus 26 Einzelteilen eine Mannschaft zu bauen, die nicht nach dem zweiten Spiel auseinanderfällt. Die Uhr tickt. Die Kritiker erst recht.
