Nagelsmann deckt sané: pfeifkonzert in stuttgart spaltet nationalelf

Leroy Sané läuft ein, die Arena tobt – aber nicht vor Begeisterung. Die Pfiffe in Stuttgart treffen den Türkei-Legionär wie ein Schlag ins Gesicht. Julian Nagelsmann wehrt sich. Mit einem Satz. „Wenn wir uns gegenseitig zerfleischen, wird es nicht besser.“

„Absoluter schwachsinn“: nübel und undav schlagen sich auf sanés seite

Alexander Nübel, Stuttgarts Torhüter, sitzt nach dem 2:1 gegen Ghana in seiner Kabine und kocht. „In meinem Wohnzimmer pfeift niemand einen Nationalspieler aus“, wettert er. Neben ihm Deniz Undav, Matchwinner und Wahl-Schwabe. Der Stürmer legt nach: „Wir sind eine Mannschaft. Eine Nation. Ausgrenzung ist Gift.“

Die Szene ist schnell erzählt: 78. Minute, Sané kommt für Nick Woltemade. Ein Teil der Arena quittiert das mit Buh-Rufen. Der Grund liegt tiefer. Viele Fans sehen im 30-Jährigen ein verschenktes Talent. Nagelsmann hat Sané beim FC Bayern schon öfter an den Pranger gestellt. Nach dem 6:0 gegen die Slowakei schien die Kurve gekratzt. Dann folgte ein schwaches 4:3 gegen die Schweiz.

In Stuttgart zeigt Sané eine gute Viertelstunde. Die Vorlage zum 2:1 kommt per Kopf. Nagelsmann spricht von einem „guten Laufweg“. Sané selbst postet später nur: „Solide Woche.“ Mehr nicht. Trösten muss man ihn nicht, sagt Undav. „Er ist erwachsen. Aber es ist beschissen, wenn deine eigenen Leute dich ausbuhen.“

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Der Bundestrainer schickt eine klare Botschaft an die Fans und an Sané. „Am Ende zählt, was er in den nächsten acht Wochen macht.“ Eine Freifahrt ist das nicht. Sondern ein letzter Vertrauensvorschuss. Sané muss liefern. Sonst fliegt er raus aus dem Kader – und die Pfiffe werden zur Nebensache.

Die Nationalelf spielt nicht nur gegen Gegner. Sie spielt auch gegen sich. Gegen Spaltung. Gegen Ungeduld. Und gegen die Uhr.