Nadine fähndrich verpasst sieg um 0,01 sekunden, feiert abschied trotzdem mit spalier

0,01 Sekunden. So viel fehlte, und plötzlich war alles da: Tränen, Applaus, ein Spalier aus 200 Menschen, der die Luzernerin Nadine Fähndrich ins Leben nach dem Sport führt. Beim Langis-Sprint lief sie ihr letztes Rennen, verlor gegen Noemie Charriere, gewann aber die Nacht.

Der sprint, der kein abschied war

Die Siebenfache Weltcupsiegerin wollte eigentlich nur noch laufen. Keine Show, keine Tränen. Dann kam das Finale, und mit ihm der alte Biss. „Ich habe gemerkt, dass der Final eine Herausforderung wird“, sagt sie nach dem Rennen. Die Lunge brannte, die Beine zitterten – und trotzdem hätte sie gewinnen können. Charerre war schneller, aber nur auf der Uhr. Im Ziel warteten schon Vater, Mutter, die beiden Kinder, der Langis-OK-Chef und der Bäcker von nebenan. Alle trugen ein Tuch in Fähndrich-Rot.

Statt Siegerehrung gab es Autogrammchaos. Statt Cool-down eine Bühne. „Es war mega schön“, sagt Fähndrich, während sie sich eine Gänsehaut wegwischt, die gar nicht von der Kälte kommt. Drei WM-Medaillen, 15 Weltcup-Podeste, ein Olympiasieg im Sprintstaffel – und jetzt das: ein Spalier, der sich nicht auflöst.

Vom startblock ins büro, vom vater in die fussstapfen

Vom startblock ins büro, vom vater in die fussstapfen

Ab 2025 sitzt sie nicht mehr im Wettkampfbüro, sondern im Organisationskomitee. Ihr Vater Peter leitete den Langis-Sprint 20 Jahre lang. Nun übernimmt sie die Leitung, schreibt Startlisten statt Streckenrekorde. „Ich will dem Nachwuchs zeigen, dass der Sport nicht aufhört, wenn die Uhr mal stehenbleibt“, sagt sie. Die ersten Bewerbungen für Volunteers sind schon raus, das Budget steht, und im Büro hängt bereits ein Foto von ihr und Charerre – 0,01 Sekunden entschieden, aber mit offenen Armen.

Die Italienerinnen haben ihre Medaillen aus Peking mitgebracht, doch Fähndrich braucht sie nicht mehr. Sie trägt jetzt ein Funkarmband, keinen Transponder. Und wenn nächstes Jahr der Startschuss fällt, wird niemand mehr nach der Zeit fragen. Alle wissen: Die Nummer eins sitzt am Schreibtisch, nicht auf der Startline. Die Uhr steht still. Das Herz rennt weiter.