Nach 2:5-debakel: deb setzt auf eisbären-block – nur 13 olympia-helden bleiben übrig
Harold Kreis musste sich beeilen. Kaum hatte die rote Lampe das 2:5 gegen die USA gelöscht, schon klickte das Fax aus Berlin. Sechs frische Gesichter, allesamt frisch gebackene Meister der Eisbären, rücken in den Kader für die WM in Zürich. Die Olympia-Truppe von 2026? Zerschlagen. Nur noch 13 der einst 25 Helden von der Fernost-Reise dürfen am Freitag gegen Finnland ran.
Der berliner anschlag auf den alten kern
Jonas Stettmer zwischen die Pfosten, Kai Wissmann und Eric Mik hinten, vorne Andreas Eder, Frederick Tiffels und Manuel Wiederer – ein Sechserpack, das in der Post-Season Feuer gespuckt hat. „Wir wollten keine Reisegruppe, wir wollten eine Mannschaft“, sagt Kreis. Also schickt er fast eine komplette Reihe des DEL-Champions in die Schweiz. Die Botschaft: Frischer Wind statt Nachwuchs-Notlösung.
Doch die Rechnung hat zwei Seiten. Mit Draisaitl, Stützle und Peterka fehlen die NHL-Giganten. Lukas Reichel und Nico Sturm sind fraglich, Moritz Seider spielt nur, weil seine Prellung nach 76 NHL-Einsätzen keine dritte Untersuchung überstand. Bleiben drei Nordamerika-Profis – und ein Kader, der sich zwischen Euphorie und Ersatz bewegt.

Moritz seider zieht den stecker – und bleibt trotzdem
Gegen die USA testete der Red-Wings-Akteur 22 Minuten, lehnte anschließend weitere Checks ab. „Ich glaube, dem Ganzen sollte nichts mehr im Weg stehen“, sagt er. Für Kreis ein Wink mit dem Zeh, für die Liga ein Armutszeugnis: Der beste deutsche Verteidiger spielt, weil er selbst sagt, dass er spielt.
Andreas Eder trägt dagegen Gefühle ins Team. Sein Bruder Tobias verstarb im Januar, die Trikotnummer 48 wird frei bleiben. Dass Eder nun genau dort aufläuft, wo Tobias 2025 Weltmeister wurde, ist kein Zufall. „Er will dieses Turnier für zwei spielen“, sagt Künast. Berlin wurde zur Therapie, die WM zur Mission.

Gruppe a wartet auf den außenseiter
USA, Finnland, Schweiz – alles Finalisten der letzten großen Turniere. Dazu Lettland, das in Riga Bronze holte, Österreich mit dem schnellsten Angriff Europas und Ungarn, das seit zwei Jahren nur noch auf Upset lauert. Deutschland startet als Aufbau-Projekt, nicht als Medaillenkandidat. Die Quote: 34:1. Die Erinnerung an 2025: unbezahlbar.
Kreis weiß, dass er keine zweite Olympia-Wundertüte öffnen kann. Also setzt er auf Club-Chemie statt Superstar-Gehabe. Die Eisbären haben bewiesen, dass sie unter Druck gewinnen. Ob das reicht, wenn statt Kölner Haien und Krefeld Pinguine plötzlich Connor McDavid auf dem Eis steht, wird sich zeigen.
Fakt ist: Am Freitag um 20.20 Uhr schlittern 25 Spieler in Zürich ein, von denen nur drei regelmäßig gegen die beste Liga der Welt antreten. Der Rest muss die Lücke füllen – mit Berliner Trotz, Debütanten-Nerven und dem Wissen, dass eine Nation wieder erst dann zuschaut, wenn das erste Pünktchen fällt. Die Generalprobe war ein Warnschuss. Die Premiere beginnt jetzt.
