Musiala sagt länderspiele ab – bayern zieht die notbremse

Jamal Musiala bleibt draußen. Nach dem 6:1 gegen Atalanta schlich er mit zuckendem linken Sprunggelenk in den Mixed-Zone-Kanal, nun verpasst er auch die DFB-Doppelpacks gegen Ungarn und die Niederlande. Die Entscheidung fiel kurz vor Mitternacht – und sie fiel hart.

Die schmerzreaktion, die alles stoppt

Bayern-Ärzte und Nationalmannschaftsleitung telefonierten zweimal. Ergebnis: Kein Risiko, keine Einsätze. Vincent Kompany bestätigte die Absage sofort nach dem Abschlusstraining: „Wir wollen Jamal nicht in Schonung stopfen, wir wollen ihn explosiv zurück.“ Der Belgier sprach von „rationaler Vernunft“ und „gemeinsamer Marschroute“ mit Julian Nagelsmann. Kompany wird den Bundestrainer diese Woche persönlich in Herzogenaurach treffen – ein Krisengespräch auf Augenhöhe, kein Fax hin, her.

Musiala selbst schwieg auf Anfrage, aber seine Körpersprache im Leistungszentrum war eindeutig: keine Bandage mehr, aber auch keine Sprünge. Der 23-Jährige absolvierte nur Laufarbeit, Ballarbeit blieb tabu. Die nächsten zehn Tage sind frei programmiert – Mikro-Current, Eisbad, Schlaf. Ziel: Vollbelastung bis Viertelfinale, ob Champions League oder Pokal ist egal.

Die wm-uhr tickt lauter

Die wm-uhr tickt lauter

Fast ein Jahr ist es her, dass Musiala zuletzt in Schwarz-Rot-Gold auflief – 23. März 2025, 3:3 gegen Italien, damals noch als Hoffnungsträger, heute als Spielmacher, der fehlt. Die WM in den USA rückt näher, und mit ihr die Frage: Wer wird Nagelsmanns links halbverteidigender Achter, wenn Musiala nur 70 Prozent bringt? Florian Wirtz wartet, Chris Führich auch. Musiala weiß: Jede Woche Pause kann die Startelf kosten.

Bayern plant den Gegenangriff auf drei Fronten. Intern heißt es: „Gruppenphase der Champions League war Vorspiel, Viertel- und Halbfinale sind seine WM.“ Die medizinische Staffel hat grünes Licht für ein Comeback gegen Werder Bremen Anfang April signalisiert – vorher testet er nur intern. Kein Termin ist offiziell, aber die Marschrichtung steht: Erst gesund, dann groß.

Der Klub zahlt die Rechnung für den Sieg gegen Atalanta mit seinem besten Spieler. Die Rechnung für die Zukunft will er mit Musiala begleichen – komplett fit, komplett da. Die Uhr tickt, der Gegner wartet, und Jamal Musiala sitzt nicht mehr in der Reha-Kabine, sondern auf dem Sprung. Die Liga schaut, die Nation schaut, er selbst schaut auf den Kalender: Noch 72 Tage bis WM-Auftakt. Zeit genug, um sich neu zu erfinden – oder zu erinnern, warum er einmal alles konnte.