Musiala patzt im champions-league-tod, kahn spricht vom fehlenden glück
Jamal Musiala lief wieder auf, zog seine Dribblings, wedelte mit den Hüften – und blieb doch da, wo er seit seinem Comeback steckt: in der Schwebe zwischen Talent und Topform. Das 1:1 gegen Paris Saint-Germain schickt den FC Bayern nach Hause, der 23-Jährige konnte das Aus nicht verhindern.
Kahn sieht den knoten, der noch nicht platzt
„Er hat im Moment nicht das Glück“, sagte Oliver Kahn bei Sky. Kein Tadel, eher eine Diagnose. Der ehemalige Kapitän erinnert daran, dass Musiala erst wenige Monate nach seinem Wadenbeinbruch wieder auf dem Rasen steht. „Wenn der Knoten platzt, braucht er genau diesen einen Moment – dann ist er wieder der Alte.“ Kahn kennt die Mechanik von Verletzungen, er weiß, wie lange Selbstvertrauen braucht, um aus der Physiotherapie zurück ins Unterbewusstsein zu laufen.
Die Zahlen sind hart: In den beiden Duellen gegen PSG gewann Musiala nur 38 Prozent seiner Zweikämpfe, seine Expected Goals-Quote liegt bei 0,18 – ein Nebenschauplatz in einem Spiel, das Bayern den Vorwurf des „Nebenschauplatzes“ in der Königsklasse beschert.

Roman weidenfeller springt musiala bei
Roman Weidenfeller hält dagegen. „Man tut dem Jungen Unrecht, wenn man erwartet, dass er direkt wieder der Matchwinner ist“, sagt der Ex-BVB-Keeper. Die Logik ist simpel: Knochen brauchen Wochen, Sprunggelenke Monate, ein Rhythmus eine ganze Saison. Musiala hatte alles auf einmal verloren – Club-WM-Finale, WM-Traum, Wintervorbereitung.
Bayern-Trainer Thomas Tuchel stützt öffentlich, wechselt intern aber trotzdem: Für das Freiburg-Spiel am Wochenende soll Musiala zunächst wieder auf der Bank Platz nehmen. Serge Gnabry und Leroy Sané sind fit, die Konkurrenz kein theoretisches Konstrukt mehr.

Die nächste wm rückt näher – und mit ihr die frage: reicht zeit?
Oliver Kahn ruderte bereits zurück, nachdem er Anfang April offen hatte zweifeln lassen, ob Musiala zur WM 2026 nach Nordamerika mitfliegt. „Wenn er bereit ist, gehört er auf die große Bühne“, betonte er. Die Phrase klingt wie ein Versprechen, das sich erst in zwölf Monaten einlösen muss. Bis dahin bleiben 17 Länderspiele, mindestens 34 Pflichtspiele im Bayern-Dress – und jedes einzelne ein Testlauf für sein Selbstvertrauen.
Am Dienstagabend verließ Musiala rasch den Mixed-Zone-Gang, Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Die Frage, ob er den Druck spüre, beantwortete sein Schweigen. Manchmal sagt eben auch ein Schweigen alles: dass er weiß, dass er noch nicht er ist, der er war. Und dass er trotzdem wieder werden will.
