Münster trennt sich von erfolgstrainer wernig trotz tabellenvorteil

Die TSG Münster fegt durch die 3. Liga Süd-West – und schmeißt ihren Chef weg. Nach nur einer Saison verabschiedet sich Daniel Wernig freiwillig, obwohl sein Aufsteiger auf Rang sechs liegt und nur drei Zähler Richtung Aufstiegsplatz fehlen. Der Klub bestätigte am Freitag das Ende der Zusammenarbeit zum Sommer.

Die trennung kommt nicht aus heiterem himmel

Offiziell heißt es: „Unterschiedliche Vorstellungen zur sportlichen Ausrichtung“. Doch wer die Schlagzeilen der vergangenen Wochen verfolgte, ahnt, dass hinter den Kulissen länger gerätselt wurde. Wernig, einst Bundesliga-Profi und seit Jahren Gesicht des Vereins, wollte offenbar mehr Spielkontrolle, die sportliche Leitung setzte auf ein jüngeres, aggressiveres Profil. Die Verhandlungen verliefen „konstruktiv“, wie es in der Pressemitteilung heißt – ein Euphemismus, der in der Branche meist das Gegenteil bedeutet.

Der Coach selbst zeigte sich auf Twitterdankbar für 365 intensive Tage“, kündigte aber gleichzeitig an, „eine neue Herausforderung“ anzugehen. Für Aufsteiger-Münster ist das ein Schock, denn die Ergebnisse stimmten: 17 Siege, nur fünf Niederlagen, dazu das beste Rückrunden-Bilanz aller Südwest-Klubs. Die Spieler reagierten bestürzt. Kapitän Tim Häuser postierte ein einzelnes Emoji: eine zerbrochene Hand.

Interne kandidatenliste bereits in trockenen tüchern

Interne kandidatenliste bereits in trockenen tüchern

Während die Fans noch mit dem Abschied hadern, arbeitet die Geschäftsstelle bereits auf Hochtouren. Laut Vereinsangaben laufen „vielversprechende Gespräche“ mit einem neuen Trainerduo, das in den „kommenden Tagen“ vorgestellt werden soll. Insider tippen auf ein internes Konstrukt: Co-Trainer Felix Kopp soll befördert werden, flankiert von einem externen Athletik-Experten. Die Entscheidung fällt vor dem ersten Testspiel am 3. Juni, damit die Sommervorberestellung nicht ins Leere läuft.

Für Wernig indes dürfte das Telefon bald klingeln. Der SC Magdeburg sucht einen Nachfolger für Bennet Wiegert, auch Eintracht Hildesheim soll interessiert sein. Die Trennung ist also kein Karriereende – nur ein ungewöhnlicher Zeitpunkt. In Münster aber zählt man jetzt wieder von null bis zehn: Tage, bis der neue Mann auf der Bank sitzt.