Movistar team: zehn siege – aber wo sind die worldtour-punkte?
Die Saison der Movistar Team erreicht ihre Mitte, und das Ergebnis ist ernüchternd: Zehn Erfolge stehen zu Buche, doch keiner davon zählt im prestigeträchtigen WorldTour-Kreis. Ein Zustand, der die Frage aufwirft, ob die einst so gefürchtete spanische Mannschaft ihren Platz an der Spitze des Radsports endgültig verliert.
Die suche nach dem durchbruch im giro d'italia
Die Anstrengungen im Giro d'Italia zeigten deutlich die Defizite des Teams. Obwohl Versuche unternommen wurden, entscheidende Situationen im Rennen zu kreieren und um den Etappensieg zu kämpfen, blieben die Hoffnungen auf einen Podestplatz nach Enric Mas' frühem Ausscheiden im Blockhaus am 7. Mai unerfüllt. Mas und Ourluis Aular konnten zwar zweite Plätze in Chiavari und Cosenza belegen, doch diese Ergebnisse reichten nicht, um das Ruder herumzureißen.
Einer Rubio, der als bester Movistar-Fahrer mit einem 24. Platz im Gesamtklassement ins Ziel kam, zeigte zwar Engagement in den Bergwertungen, fehlte ihm aber die nötige Explosivität für einen entscheidenden Erfolg. Die Tatsache, dass er, wie auch Mas, in zahlreiche Ausreißergruppen fuhr, unterstreicht das Dilemma: Das Team ist zwar präsent, aber es fehlt die Kaltschnäuzigkeit und das nötige Quäntchen Glück, um den Sieg davonzutragen.

Mas' entscheidung: ein neuanfang oder ein fehltritt?
Ein Wendepunkt markiert die Entscheidung von Enric Mas, auf den diesjährigen Tour de France zu verzichten. Nach fünf Monaten Ausfallzeit aufgrund einer trombophlebitischen Erkrankung, in deren Folge er sich einer Operation unterziehen musste, entschied sich der Mallorquiner gegen die Teilnahme an dem prestigeträchtigsten Etappenrennen der Welt. Ob dies ein mutiger Schritt in Richtung eines Neuanfangs oder ein verpasster Moment ist, bleibt abzuwarten.
Seine Rückkehr ins Rampenlicht war alles andere als glanzvoll. Nachdem er im ersten Bergzeitfahren des Giro bereits Federn lassen musste, wurde klar, dass seine Ambitionen auf das Podest in weite Ferne gerückt waren. Mas scheint gezwungen, seine Rolle neu zu definieren und sich auf die Jagd nach einzelnen Etappensiegen zu konzentrieren. Doch hier offenbart sich ein weiteres Problem: Ihm fehlt schlichtweg die nötige Explosivität und die taktische Finesse, um in einem so anspruchsvollen und unberechenbaren Umfeld wie dem der WorldTour-Ausreißergruppen zu bestehen.
Die erneute Verlängerung seines Vertrages bei Movistar Team wirkt angesichts seiner aktuellen Leistungslage zunehmend fragwürdig. Sein Kredit als Kapitän des Teams schwindet, und die UCI-Ranglisten werden für die spanische Struktur immer bedrohlicher. Die Sorge, dass Movistar in den kommenden Jahren nicht mehr in der Lage sein wird, um die vorderen Plätze im Weltklasse-Radsport zu kämpfen, wächst.
Mas' letzter großer Triumph liegt bereits mehr als ein Jahr zurück – der Sieg beim Giro della Emilia im Herbst 2022, bei dem er Tadej Pogacar im Sprint besiegte. Ein magischer Moment, der in schmerzlicher Kontrast zu seiner aktuellen Situation steht. Die Frage ist, ob er in der Lage sein wird, diese Form wiederzufinden und Movistar Team zurück an die Spitze zu führen, oder ob er endgültig zu einem Schatten seiner selbst verkommt.
