Mourinho zieht die trennlinie: prestianni darf bei rassismus-vorwurf nicht mehr auf seine augen zählen
José Mourinho hat die Nabelschnur durchgeschnitten. „Wenn er schuldig ist, ist seine Karriere bei mir vorbei“, sagte der Coach von Benfica Lissabon am Samstag vor dem Liga-Spiel gegen Gil Vicente. Der Argentinier Gianluca Prestianni steht im Verdacht, Vinícius Jr. rassistisch beschimpft zu haben – Mourinho stellt sich nun demonstrativ gegen seinen eigenen Spieler.
Warum der special one plötzlich so klar parliert
Nach dem 0:1 gegen Real Madrid hatte Mourinho die Szene noch als „normal“ abgetan. Zu normal. Zu großspurig. Jetzt, eine Woche später, folgt die Kehrtwende – und sie kommt nicht von ungefähr. Die UEFA hat Prestianni für das Rückspiel gesperrt, die Ermittlungen laufen, der Druck aus Lissabon und Madrid wächst. Mourinho spürt, dass seine Glaubwürdigkeit auf dem Spiel steht.
„Ich bin kein Jurist, aber auch kein Unwissender“, sagt er und spielt damit auf die Unschuldsvermutung an. Doch das klingt nach einem Mann, der schon das Urteil gefällt hat. Der Coach betont, dass er die Werte des Klubs verteidigen muss – und diese Werte heißen Null-Toleranz. „Ich werde ihn nicht mehr mit den gleichen Augen sehen“, wiederholt er, als wolle er sich selbst davon überzeugen.

Prestiannis zukunft steht auf messers schneide
Der 19-jährige Flügelspieler bestreitet den Vorwurf, doch die Bilder und Tonaufzeichnungen aus dem Estádio da Luz bleiben schillernd. Wenn die UEFA ihn für schuldig befindet, droht eine Sperre von mindestens zehn Europapokal-Spielen. Für Prestianni wäre das ein Karriereknick, für Mourinho ein Imageschaden, den er sich nicht länger leisten kann.
Vincent Kompany hatte Mourinhos Verharmlosung scharf kritisiert. Auf diese Attacke ging der Portugiese nicht ein – stattdessen ließ er die Kettenhunde seiner Wortwahl los. Die Botschaft ist klar: Benfica schützt seine Marke mehr als sein Talent.
Am Sonntag will Prestianni erstmals öffentlich Stellung beziehen. Die Anwälte haben ihn angewiesen, die Fassade zu wahren. Doch hinter den Kulissen brodelt es: Teammates berichten von Eisstille im Training, von Blicken, die sich meiden. Mourinho hat die Tür zur Startelf bereits zugemacht – ob sie jemals wieder aufgeht, entscheidet sich in den nächsten Tagen.
