Moncayola packt aus: europa liegt im sadar in der luft
Jon Moncayola spricht mit der Geschwindigkeit, mit der er auch spielt: schnell, klar, ohne Umschweife. Nach dem 2:0 gegen Girona hat der Mittelfeld-Motor von Osasuna die Prognose für die letzten acht Wochen längst selbst geschrieben: Europa oder nichts.
Der 27-Jährige aus Garinoain hat den Atem wieder. Ein respiratorisches Infiltrat bremste ihn wochenlang aus, doch jetzt, sagt er, „fühle ich mich wieder wie ein Diesel, der warmgelaufen ist“. Das merkte auch Trainer Alessio Lisci, der ihn trotz fraglicher Spielform nie zog, sondern stellte. Moncayola lief 90 Minuten, schob sich zwischen die gegnerischen Linien und trug dazu bei, dass Girona im Sadar keinen einzigen Torschuss abfeuerte – erstmals seit 433 Tagen.
Null schuss, 35 heimspiele mit tor: das sadar paradox
Die Statistik passt zur Mannschaft: Osasuna kassiert seit der Winterpause nur noch halb so viele Tore wie im Herbst, gleichzeitig traf die Elf in 35 Heimspielen in Folge. „Wenn wir null kriegen und selbst treffen, fahren die drei Punkte hier nie weg“, sagt Moncayola und lacht über die Zahlen, die er selbst erst auf Nachfrage realisierte. Der Grund? „Der Rasen ist schief, die Tribüne drückt von hinten, und wenn der Ball nur an die Eckfahne rollt, pfeift das Stadion, als hätten wir gewonnen.“ Der Club hat aus dem Sadar eine Waffe gemacht, nicht aus Instagram-Events.
Dass er selbst nur zweimal traf, ärgert ihn. Lisci verlangte fünf Tore, Budimir blockiert jeden Freistoß. „Er schreit ‚Jon, mein Ball!‘, und wenn du nicht passt, ist er den ganzen Flur sauer“, sagt Moncayola und schiebt nach: „Ich habe den Schuss, keine Frage. Aber ich will auch den Ball in der Tiefe gewinnen, den zweiten Pass schieben. Wenn ich das vergesse, bin ich nur ein Schütze ohne Team.“

Europa ist kein wort mehr, es ist ein plan
Ante Budimir hatte nach dem Alavés-Sieg das E-Wort offen ausgesprochen. Moncayola bestätigt: „Wir haben den Klassenerhalt fast in der Tasche, jetzt zählt nur, wer vor uns wackelt.“ Fünf der letzten acht Spiele finden im Sadar statt, dazu kommen direkte Duelle gegen Betis und Valencia. „Wenn wir die gewinnen, brauchen wir keine Rechner, wir stehen drin.“ Die UEFA-Koeffizienten-Rangliste spielt Osasuna in die Hände: Acht statt sieben Klubs Spaniens starten kommende Saison international. „Das wissen wir, deshalb brennt im Training jeder Ball“, sagt Moncayola.
Der Blick geht aber auch nach innen. Mit seinem 10-Jahres-Vertrag bis 2033 hat der Navarrese sich zum „One-Club-Man“ verpflichtet – oder zur Geisel. „Wenn ich 33 bin, kann alles sein: Segunda, Saudi-Arabien oder TV-Experte“, sagt er und zuckt mit den Schultern. „Aber das Trikot mit dem Löwen will ich hier ausziehen, nicht irgendwo im Regen von Stoke.“ Kapitän Kike Barja steht vor der selben Entscheidung, Vertrag auslaufend, Knie endlich wieder stabil. „Er ist das Herz, wir sind die Lunge“, beschreibt Moncayola die Balance. Ob Barja bleibt, weiß er nicht. „Was zählt, ist jetzt.“

Der nächste härtetest: barça und atletico warten im sadar
Nach der Länderspielpause kommt der FC Barcelona, dann Atlético. Beide Spiele gelten als Gradmesser. „Wir haben Real Madrid geschlagen, weil wir 90 Minuten geglaubt haben, nicht nur 70“, sagt Moncayola. „Gegen Barça müssen wir 95 Minuten glauben, sonst siehst du das Licht erst wieder in der Sommervorbereitung.“
Die internationale Woche nutzt Osasuna, während andere Teams ihre Stars nach Abu Dhabi oder Southgate schicken. „Wir sind wenige Nationalspieler, das ist unser Vorteil“, sagt er. „Die, die hier bleiben, spielen Klein-Staffelchen auf dem Platz, tanken Familie und kommen zurück mit Messer zwischen den Zähnen.“ Víctor Muñoz ist die Ausnahme, er flog zur spanischen A-Nationalmannschaft. Moncayola feuelt ihn an: „Wenn er zurückkommt, will er zeigen, dass der Sprung kein Zufall war. Das zieht alle hoch.“
Die Rechnung ist simpel: Sieben Siege aus den letzten elf Spielen würden reichen, um die Relegation-Plätze zu verpassen und stattdessen die Europa-League-Quali anzupeilen. „Wir haben nichts zu verlieren, außer 15 Jahre Warten“, sagt Moncayola. Dann steht er auf, schnappt sich die Jacke mit dem Clubwappen und verschwindet Richtung Trainingsgelände. Der Diesel ist warm – und er will noch 720 Minuten Nonstop laufen, bevor das Stadion endlich wieder Donnerstags statt nur Sonntags flackert.
