Mittelstädt und führich zerlegen augsburg – nagelsmann schaut weg
5:2 in Augsburg, drei Punkte, Platz drei – und trotzdem bleibt ein fader Beigeschmack. Denn während Chris Führich nach der Gala rechts oben in die Schweiz düst, um sich beim DFB zu melden, bleibt Maximilian Mittelstädt zu Hause. Der Mann, der den linken Flügel entfachte, darf nicht mitspielen. Nationaltrainer Julian Nagelsmann hatte ein nettes Telefonat, versprach „Tür auf“, aber nominierte nicht. Fußball kann grausam sein.
Ein duo wie uhrwerk, nur eben ohne kuckuck
Was Hoeneß nachspielte, klang nach Routine. „Maxi und Chris waren enorm gefährlich“, sagte er, als hätte er den Satz schon hundertmal geübt. Tatsächlich haben die beiden in den vergangenen 30 Monaten so oft gemeinsam trainiert, dass sie sich blind finden. Führich zieht nach innen, Mittelstädt überholt ihn außen. Oder umgekehrt. Gegen Augsburg führte diese Choreographie zu drei Vorlagen, zwei Toren und unzähligen Augenblicken, in denen die Fuggerstädter nur noch hinterherliefen.
Die Statistik lügt nicht: In den 12 Pflichtspielen, in denen beide von Anfang an links standen, erzielte Stuttgart 28 Treffer – 2,3 pro Partie. Wenn einer fehlte, sackte der Schnitt auf 1,4 ab. Die Zahl ist klein, aber sie erzählt die Geschichte besser als jedes Lob des Trainers.

Porto war die provinz, augsburg das konzert
Noch vor einer Woche schickte Hoeneß Mittelstädt auf dem rechten Flügel ins portugische Exil. Die Aufgabe: Dani Olmos aufzuhalten. Mittelstädt lieferte ab, kam aber nicht in die gefährlichen Zonen. Gegen Augsburg durfte er zurück auf seine Couch, links. Dort spielte er sich in Rage, legte das 1:0 auf, initiierte das 3:1 und schickte Führich mit einem Steilpass in die Großchance zum 4:2. Die Aktion dauerte 2,8 Sekunden. Die Botschaft: Ich bin da, wo ich hingehöre.
„Wir fühlen uns auf dieser Seite gut“, sagte Mittelstädt nach Abpfiff. Das klingt nach Banalität, ist aber ein Seitenhieb. Denn wer sich gut fühlt, braucht keine rechte Außenbahn, keine Experimente, keine „Belastungssteuerung“. Er braucht nur den Ball und einen Partner, der weiß, wann er ihn braucht.

Die nationalmannschaft wartet, aber nicht auf ihn
Nagelsmann mag Mittelstädts Entwicklung, aber er mag andere noch lieber. Mit David Raum hat er einen Linksverteidiger, der Flanken schlägt wie ein Bäcker Brötchen. Mit Robin Gosens einen, der Tore köpft. Mittelstädt kann beides, aber er ist keine Marke. Er ist ein Systemspieler, und Systemspieler brauchen Zeit, um zu glänzen. Zeit hat Nagelsmann nicht. Die WM rückt näher, zwei Monate sind kein Horizont, sondern eine Zielgerade.
Mittelstädt sagt, er wolle „Gas geben“. Das klingt nach Motivationskatalog, ist aber das Einzige, was bleibt. Wenn Stuttgart weiter siegt, wird Nagelsmann irgendwann wieder anrufen. Oder eben nicht. Dann steht Mittelstädt irgendwann in München, schaut dem DFB-Team zu und denkt an das 5:2 in Augsburg. An einem Sonntag, an dem er alles richtig machte – und trotzdem nicht dazugehörte.
