Mit 80 jahren an der seitenlinie: lucescu jagt rumäniens wm-traum
Mircea Lucescu will mit Rumänien zur WM 2026 – und wäre damit der älteste Trainer einer Endrunde aller Zeiten. Die Qualifikation schaffen? „Zwei Siege. Mehr nicht“, sagt er. Klingt einfach. Ist es nicht.
Ein mann, drei krankenhausaufenthalte, ein traum
Seit Dezember lag der 80-Jährige dreimal stationär. Statt auf dem Trainingsplankonnte er nur auf die Klinikflure blicken. „Ich wollte nicht wie ein Feigling weglaufen“, erklärt er. Der Verband fand keinen adäquaten Ersatz. Also sitzt er weiter auf der Bank, selbst wenn die Knie zittern und das Herz schneller schlägt als seine Spieler.
Die letzte WM-Teilnahme Rumäniens liegt 28 Jahre zurück. Seit 1998 warten sie. Lucescu war damals schon dabei – als Kapitän. 1970. Gegner: Brasilien. Gegenspieler: Pelé. Das Trikot des Königs hängt noch ungewaschen im Schrank. „Ein kleiner Sieg“, sagt er und lacht leise. Der große Sieg wäre ein Ticket nach Nordamerika.

Istanbul wird zur hölle – und zur chance
Das Playoff-Hinspiel in der Türkei ist mehr als Fußball. Arda Güler, Kenan Yıldiz, Hakan Çalhanoğlu – Stars, die in Europa Titel gewinnen. Das Publikum? „Wenn der Gegner den Ball hat, brüllen 50.000 Kehlen. Da hilft keine Medizin.“ Lucescu kennt die Atmosphäre, er war jahrelang bei Besiktas. Er weiß, wie laut Stolz sein kann.
Doch er kennt auch die Schwächen der Türken. „Sie glauben, sie sind schon qualifiziert. Das ist unser Vorteil.“ Rumänien spielt ohne Druck. Nur mit einem alten Mann, der sich selbst nicht erlaubt, alt zu sein.
Lucescu hat mehr Champions-League-Spiele auf dem Buckel als Mourinho in seinen besten Jahren. 100 Partien. Ancelotti, Ferguson, Wenger – sie alle teilen diesen Club. Doch keiner von ihnen stand mit 80 an der Linie. Sein Sohn Răzvan trainiert PAOK Thessaloniki. „Er drückt mir die Daumen. Und alle über 70 auch“, sagt er trocken. Dann kommt der Satz, der bleibt: „Ich bin das Beweisstück, dass Lust auf Leben keine Altersgrenze kennt.“
Am Ende zählt nur ein Ergebnis. Sieg oder Aus. Traum oder Ende. Lucescu wird dabei sein. Mit 80 Jahren. Mit Pelés Trikot im Koffer. Und mit der Gewissheit, dass manche Geschichten erst im Rentenalter richtig spannend werden.
