Mircea lucescu (80) stürzt vor länderspiel zusammen – herzrhythmus noch nicht stabil

Ein Zusammenbruch mitten in der Vorbereitung, zwei Rettungswagen im Eiltempo, ein Land mit klopfendem Herz: Mircea Lucescu, 80 Jahre alt, lebende Legende und aktueller Nationaltrainer Rumäniens, brach während der taktischen Besprechung vor dem Flug zur Slowakei am Boden zusammen. Der Mann, der 2009 mit Schachtjor Donezk den UEFA-Pokal holte und 2021 Dynamo Kiew zur Meisterschaft führte, wurde mit stabilisiertem Herzrhythmus ins Krankenhaus eingeliefert – seine Teilnahme am Freundschaftsspiel am Dienstag ist gestrichen.

Der notfall in der kabine

Die Szenerie war so schnell wie beklemmend. Nach dem 0:1 gegen die Türkei am Donnerstag wollte Lucescu seine Startelf justieren, da wurde seine Stimme leiser, das Gesicht aschfahl. Teamarzte griffen sofort ein, riefen den SMURD, die Spezial-Einheit für Notfälle. Zwei Minuten später rollten die Rettungswagen über das Trainingsgelände. Die Spieler mussten den Raum verlassen, einige mit Tränen in den Augen. Der Verband bestätigte später lediglich, dass der Herzrhythmus „unter Kontrolle“ sei – ein Wort, das bei einem Achtzigjährigen kaum Beruhigung erzeugt.

Sein Co-Trainer Ionel Gane, einst Stürmer des VfL Bochum, übernimmt das Kommando auf der Bank. Für Gane wird das Länderspiel in Trnava zur Generalprobe seiner eigenen Zukunft: Falls Lucescu länger ausfällt, rückt der 55-Jährige interimistisch nach. Die Spieler bekamen die Nachricht, während sie schon die Koffer packten. Einige schrieben per WhatsApp sofort zurück, ob sie das Flugzeug besteigen sollen – die Antwort des Verbandes war ein lapidares „Ja, fahrt.“

Zwischen rekord und risiko

Zwischen rekord und risiko

Die Ironie ist bitter: Erst seit August 2024 sitzt Lucescu wieder auf der rumänischen Bank, sein Vertrag läuft bis Juli 2026. Dann wäre er 81. Die Rückkehr war als letztes Kapitel gedacht, ein letzter Versuch, Rumänien zur EM 2026 zu führen. Stattdessen wirft der Vorfall eine Frage auf, die der Verband lieber totgeschwiegen hat: Wie viel Einsatz ist zuviel, wenn der eigene Körper längst Alarm schlägt?

Lucescu selbst hatte sich stets geweigert, das Alter als Limit zu begreifen. „Ich schaue auf die Uhr, nicht auf den Kalender“, sagte er vor zwei Jahren in Kiew. Die Uhr tickt nun unbarmherzig. In den Klinikunterlagen steht „Vorhofflimmern“ – ein Begriff, der in der medizinischen Fachsprache harmlos klingt, im Fußball aber ein Stolperstein ist. Kein Club verpflichtet mehr einen Coach, der auf dem Feld einen Defibrillator braucht. Und doch: Die Liste seiner Titel spannt sich über vier Jahrzehnte – Rumänien 1990, Galatasaray 2002, Besiktas 2003, Donezk 2009, Kiew 2021. Kein rumänischer Trainer hat mehr Liga-Pokal-Siege vorzuweisen.

Am Dienstag wird die Hymne ertönen, ohne den Mann, der sie am längsten geleitet hat. Die Fans in Trnava werden ein Transparent hochhalten: „Pace, Profesore!“ – Ruhe, Lehrer! Denn Lucescu war immer mehr als ein Coach, er war ein Professor des Spiels. Ob er je zurückkehrt, steht in den Sternen. Die Mediziner nennen keine Prognose, der Verband schweigt. Nur eine Zahl ist sicher: 49 Jahre Profi-Karriere, angefangen 1975 als 29-jähriger Spieler-Trainer von Corvinul Hunedoara, enden vielleicht stiller, als er je gedacht hätte.