Minge warnt vor österreich-trap: dfb-team jagt nächsten wm-schritt im derby
Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat Österreich im Visier – und Janina Minge weiß: „Es wird zwei extrem harte Spiele“. Nach dem perfekten Start mit zwei Siegen und 9:0-Toren in der WM-Qualifikation wartet nun der vermeintlich größte Konkurrent um den Gruppensieg. Doch die Wolfsburgerin spricht Klartext: derby-Vibes hin oder her, die Bundesliga-Kolleginnen aus dem Nachbarland wollen Revanche.
Die bilanz täuscht – 2024 war einmal
Im letzten Jahr schickte der DFB die Österreicherinnen mit 4:1 und 6:0 nach Hause. Lässig? Fehlanzeige. „Wir kennen fast jede Einzelne persönlich, viele spielen in Deutschland“, sagt Minge. Die 26-Jährige hat 30 Länderspiele auf dem Buckel, ist Vize-Kapitänin und mittlerweile Führungsspielerin statt Ergänzung. Ihre Bilanz: drei Jahre, eine WM, eine Olympia-Bronze, eine EM. Und jetzt der Blick nach vorn – Richtung Brasilien 2027.
Die Elf von Bundestrainer Christian Wück trainiert seit Dienstag im verschlossenen Herzogenaurach. 5:0 gegen Slowenien, 4:0 in Norwegen – alles nach Plan. Doch der Plan hat einen Haken: Österreich hat sich verstärkt. Die neue Generation um Barbara Dunst und Nicole Billa will im Max-Morlock-Stadion Nürnberg am Dienstag (18.15 Uhr/live im ZDF) für den ersten Schock sorgen.

Mitte der woche, mitte der karriere – minges moment
„Ich habe immer mehr Vertrauen in mich selbst bekommen“, sagt Minge. Das merkt man. Die ausgebildete Polizistin spielte in dieser Saison schon Innenverteidigung, Sechser, Zehner, Stürmerin – und sogar Torhüterin, als Stina Johannes in der Bundesliga Rot sah und das Wechselkontingent erschöpft war. „Jetzt kann ich wirklich sagen: Ich habe jede Position gespielt.“ Kein Selbstlob, nur Tatsache.
Im DFB-Team setzt sie auf flache Hierarchien. „Jede Spielerin kann etwas sagen. Wir sind alle extrem wichtig“, betont sie. Das Klima ist laut Minge „super harmonisch“, was sie mit einem verschmitzten Lächeln ergänzt: „Es gibt wenig zu meckern.“ Das klingt nach Euphorie – ist aber auch eine Warnung an die Konkurrenz.

Österreichs plan: frühes pressing, späte hoffnung
Die Gäste werden versuchen, Deutschlands Spielfluss früh zu stören. Ihre Taktik: enges Mittelfeld, schnelle Umschaltmomente, Standards. Minge kennt das von ihren Club-Gegnerinnen. „Wenn wir unsere Laufbereitschaft und unsere Ballstafette durchziehen, sind wir schwer zu schlagen“, sagt sie. Die Zahlen sprechen für den DFB: 14 Spiele ohne Niederlage, 49:6 Tore in der Quali-Historie gegen Österreich.
Doch der Blick bleibt vorsichtig. „Unser Ziel ist es, uns in der Tabelle vorne festzusetzen“, betont Minge. Klingt nach Pflicht, ist aber Realismus. Die Gruppenersten sind fix qualifiziert, die Zweiten müssen in die Relegation. Ein Punktverlust könnte im Endeffekt den Unterschied zwischen direktem Ticket und Zusatzbelastung bedeuten.
Faktum: Deutschland hat noch nie eine WM-Qualifikation verloren. Österreich erst einmal dabei – 2011. Seitdem warten sie auf den nächsten Coup. Das Rückspiel am 18. April in Ried wird zur Zitterpartie, wenn Nürnberg nicht klar entschieden wird. Minge jedenfalls will keine Überraschung: „Wir sind bereit, harte Entscheidungen zu treffen – auf und neben dem Platz.“
Die Message ist klar: Der Dampfer rollt, aber die Kurve vor Österreich ist scharf. Wer sich verschätzt, fliegt raus. Die Zwischenbilanz nach 180 Minuten? 9:0 Tore, null Gegentreffer, 100-Prozent-Lauf. Die nächsten 90 Minuten in Nürnberg sollen die Vorentscheidung bringen. Dann kann das Team nach Brasilien blicken – und Minge vielleicht endlich als gesetzte Stammkraft statt eiserne Jokerin.
