Milosevic erlöst werder nach patzer: 21 minuten von schande zu ruhm

21 Minuten. So schnell kann Fußball einen vom Deppen zum Helden katapultieren. Jovan Milosevic spürte diesen Whiplash am Samstag im Weserstadion hautnah, als er eine klösterliche Großchance verspielte, dann aber den K.o.-Treffer gegen Heidenheim köpfte – und damit Werder den ersten Sieg seit November bescherte.

Die Szene des Tages war 36 Minuten alt. Romano Schmid legt quer, Milosevic steht zwei Meter vor dem leeren Tor. Der 20-jährige Serbe schiebt das Leder nicht nur vorbei, er schiebt es ins Leere seiner gerade noch so rosig erscheinenden Zukunft. 40.000 Zuschauer ächzen, Milosevic vergräbt das Gesicht im Rasen. Trainer Daniel Thioune später: „Das kann einen umbringen.“

Die pause als seelenbalsam

Was folgte, war kein Psychocoaching, sondern schlichte Menschlichkeit. Schmid spricht mit dem Youngster, der kurz zuvor selbst Pfosten und Nachschuss verpasst hatte. „Komm, wir entscheiden das heute noch“, sagt er. In der Kabine reden die Profis Milosevic gut zu, nichts von „jetzt erst recht“, mehr: „Passiert, wir stehen hinter dir.“

Die zweite Hälfte beginnt, Werder drückt. In Minute 57 flankt – wer sonst – Schmid von links. Milosevic springt hoch, nickt im Fallen ins lange Eck. 1:0. Weserstadion explodiert, der Stürmer brüllt sich die Anspannung aus den Knochen. Thioune: „Sensationell, wie er sich freut. Und dieser Kopfball war deutlich anspruchsvoller.“

Tabellenkeller rückt einen schritt weg

Tabellenkeller rückt einen schritt weg

Dank eines späten Eigentors wird es 2:0, der Abstand zu Heidenheim beträgt nun fünf Punkte. Für Bremen ist das mehr als drei Zähler – es ist Seelenkur. 13 sieglose Spiele in Serie, 55-Prozent-Gehaltsstreichung im Abstiegsfall, ein Verein unter Volldampf. Milosevic’ Ball zirkuliert durch die sozialen Netzwerke wie ein Beruhigungsmittel für eine ganze Region.

Nach dem Abpfiff wirkt der Angreifer wie nach einer Achterbahnfahrt ohne Gurt. „Ein verrückter Nachmittag“, sagt er und klingt, als hätte er zwischen den Toren tatsächlich Jahre statt Minuten verbracht. Der Stürmer weiß: Der nächste Fehler kommt, die nächste Chance auch. Doch heute darf er Kind sein, das sich im Spiel von Schuld und Sühne wiederfand.