Millwall: kann der auferstehungskampf den hass überwinden?
London bebt – und nicht nur wegen des Wetters. Der FC Millwall, einst gefürchtet, nun auf dem Weg in die PremierLeague, steht vor dem größten Triumph seiner turbulenten Geschichte. Nach fast 40 Jahren der Zweit- und Drittklassigkeit winkt die Rückkehr in die englische Elite, doch der Weg dorthin ist gepflastert mit einer Vergangenheit, die den Verein bis heute verfolgt.
Ein arbeiterverein mit dunklem kapitel
1885 von schottischen Arbeitern auf der Isle of Dogs gegründet, verkörperte Millwall stets den Kampfgeist der Arbeiterklasse. Doch statt Ruhm und Reichtum brachte diese Härte eine Schattenseite hervor: eine der gefährlichsten Hooligan-Szenen Englands. Die 1970er und 1980er Jahre waren geprägt von Gewaltorgien und einem Ruf, der dem Verein bis heute nachhängt. Ein Platzsturm 1985 mit 81 Verletzten, darunter 31 Polizisten, ist nur eine von vielen dunklen Momenten.
Die Bilanz ist erschreckend: Granaten auf dem Rasen, Massenschlägereien, Messerattacken – die Liste der Vorfälle ist lang. Filme wie „Football Factory“ und „Green Street“ trugen dazu bei, das Bild des FC Millwall als Inbegriff brutaler Fußballfans zu verfestigen.

Harry kane's prägende zeit
Selbst ein Weltstar wie Harry Kane, der 2012 für eine halbe Saison bei Millwall spielte, wurde von der rauen Atmosphäre geprägt. Der damals 18-jährige Angreifer schwärmte von seiner Zeit im „Den“, dem legendären Stadion des Vereins: „Millwall hat mich zu einem Mann gemacht. Ich habe gelernt, mit Druck umzugehen und mich durchzusetzen.“ Eine Aussage, die zeigt, dass hinter dem rauen Äußeren auch eine gewisse Schule des Lebens steckt.
