Milan stolpert über magere dreierkette – derby droht kollaps
Matteo Gabbia fällt vier Wochen aus, und auf einmal steht Stefano Pioli mit drei Verteidigern für drei Trikots da. Fikayo Tomori, Koni De Winter, Strahinja Pavlovic – mehr Körper hat der AC Milan nicht. Der Derby-Kracher gegen Inter rückt näher, die Meisterschaft wird zum Balanceakt auf dem Abgrund.
Notlösung odogu oder bartesaghi als falsche neun in der abwehr?
Pioli hasst Hintertürchen, doch jetzt sind sie offen. David Odogu, bisher vier Spielminuten in dieser Saison, könnte zum Einsatz kommen. Alternativ rückt Linksaußen Davide Bartesaghi in die Mitte, Pervis Estupinan übernimmt die Flanke – ein Tausch, der die Kreuze aus dem linken Halbraum kostet und Estupinan in Zweikampf-Lücken wirft.
Die Rechnung ist simpel: fällt einer der drei Übriggebliebenen aus, platzt der Kahn. Die Konkurrenz schaut nicht hin, sie lacht. Inter rotiert zwischen Akanji, Acerbi, De Vrij und Carlos Augusto. Napoli wirft Buongiorno, Rrahmani, Beukema und Juan Jesus in die Waagschale. Die Roma kann zwischen fünf kompletten Innenverteidigern wählen. Milan? Drei Namen, null Puffer.

De winter: vom supercoppa-debakel zum notnagel
Koni De Winter war vor Weihnachten noch der Buhmann nach dem 0:3 gegen Napoli, heute ist er Pis liebstes Schweizer Messer. Rechts, links, zentral – der Belgier sprang in jedes Loch und blieb stabil. Pioli lobt intern seine „veränderte Körpersprache“, die Datenanalysten attestieren eine Plus-0,7 Punkte pro 90 Minuten gegenüber dem November-Loch. Doch selbst ein Allzweckwaffe bricht bei Dauerfeuer.
Die Frage, die durchs Milanello flüstert: hätte der Klub doch einen Innenverteidiger im Winter holen sollen? Die Antwort lautet ja, aber die Kasse blieb zu. Zwischen Neujahr und Februar suchte Pioli nach „einer zusätzlichen Kopfballkraft“, wie er Vertrauten zuflüsterte. Management-Chef Giorgio Furlani aber blockierte, weil kein Budget frei war. Das 4-4-2 der Herbstsaison sollte reichen – reicht es aber für den Saisonendspurt?
Die nächsten neun Wochen entscheiden über Titel und Trost. Tomori trägt die Führungsbinde in der Verteidigung, Pavlovic liefert die Kopfballmonster-Quote, De Winter hält die Flexibilität. Dahinter steht nur noch der 38-jährige Mike Maignan, der mit Handschuhen wie Betonklötzen aufspielt. Fällt einer der Drei, kippt nicht nur das Derby, die Champions-League-Chance zittert. Die magere Dreierkette ist zum Symbol der Saison geworden: hochkarätig, aber ohne Netz. Wer da stolpert, fällt tief. Milan spürt schon den Luftzug.
