Servette rutscht näher an den abgrund – gourvennec platzt der kragen
0:0 in Winterthur, das siebte Spiel ohne Sieg – Servette rutscht mit 24 Punkten auf Platz neun, nur zwei Zähler über den Abstiegsplayoff-Platz. Die Uhr tickt. Trainer Jocelyn Gourvennec sieht seine Mannschaft beim Schlusslicht „nur das Trikot überstreifen“ und kassiert damit den nächsten Imageschaden.
Gourvennec wirft mangelnden respekt vor
Der Franzose schlug nach dem Schlusspfiff im Letzigrund-Stadion den Ball weg, stemmte die Hände in die Hüften und sprach ins Mikro der «Blick»-Reporter: „Wenn man zum Letzten fährt, denkt scheinbar jeder, dass es reicht, sich das Servette-Trikot überzuziehen.“ Die Kernaussage: kein Kampf, kein Respekt, kein Plan. Gourvennec, der vor Wochen noch von Champions-League-Träumen schwärmte, wirkte wie ein Mann, der seinen Spielern nicht mehr in die Augen sehen will.
Die Zahlen bestätigen seine Wut. Seit dem 2:1-Sieg gegen St. Gallen am 10. März holte Servette aus sieben Partien nur drei Punkte. Die Tordifferenz in diesem Zeitraum: 3:11. Die einstige Festung Stade de Genf verlor vier der letzten fünf Heimspiele – ohne Zuschauerstimmung wird es am Samstag gegen den FCZ kaum besser. Wegen Pyro-Einsatz gegen Sitten bleibt die Sud-Kurve leer, 8‘500 Plätze sind blockiert.

Captain rouiller reklamiert gelassenheit – doch wer hört noch?
Steve Rouiller versuchte, die Kapitänsbinde zu retten: „Wir müssen positiv bleiben. Die Mannschaft ist bereit, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen.“ Positive Rhetorik, aber die Rhetorik reicht nicht mehr. Rouiller selbst patzte gegen Winterthur in der 63. Minute eine klare Kopfballchance, die hätte entscheiden können.
Die Kabine teilt sich. Jungprofis wie Kutesa und Cognat sprechen von „neuer Mentalität“, während erfahrene Kräfte wie Sierro intern durchblicken lassen, dass Trainingsmethoden und taktische Vorgaben nicht mehr ankommen. Quelle aus dem Umfeld: „Einige Spieler haben die Nase voll, andere haben Angst vor der Relegation.“

Der zeitplan wird zum gegner
Nächste Gegner: Zürich (H), YB (A), Basel (H). Drei Klubs, die selbst um Europapokalplätze kämpfen und Servette in den letzten Jahren regelmäßig den Schneid abkauften. Die Statistik: 14 der letzten 16 Pflichtspiele gegen diese drei Vereine gingen verloren. Sollte der Trend anhalten, könnte Servette vor dem Saisonfinale in den Playoff-Platz rutschen – und dann winkt ein Duell gegen den Zweitligisten Xamax oder Schaffhausen, beide gefährliche Aufsteiger mit frischem Selbstbewusstsein.
Die Verantwortung liegt jetzt bei Präsident Francesco Servini. Er sicherte Gourvennec am Dienstagabend „vollstes Vertrauen“, doch intern kursiert ein Szenario: Bei einer Niederlage gegen Zürich soll der Franzose gehen, Assistent Massimo Lombardi übernehmen. Die Wahrheit: Servette kreist nicht nur sportlich, sondern auch strukturell. Die größte Gefahr droht nicht aus dem Klassenprimus, sondern aus der eigenen Ratlosigkeit.
