Milan jagt inter: lazio-duell wird zur zitterpartie um meistertraum
Rom brennt. Am Sonntag, 20.45 Uhr, trifft Lazio auf Milan – und für Stefano Pioli ist es keine Pflichtaufgabe, sondern eine finale Warnung an Inter. Sieben Punkte Rückstand, zehn Spieltage noch. Wer jetzt stolpert, kann die Meisterschaft abschreiben.
Derby-sieg war erst der anfang
Estupiñáns Kopfball gegen Inter war mehr als drei Punkte. Er war ein Seelenstreich, ein Befreiungsschlag. Doch die Euphorie verflüchtigt sich, wenn Milan in der Capitale erneut patzt. Die Bilanz auf fremdem Platz liest sich stark: neun Siege, fünf Remis. Doch das Achtelfinal-Aus im Pokal gegen genau diese Lazio war ein Warnschuss. Zaccagnis spätes Tor steckt noch in den Knochen.
Pioli muss improvisieren. Rabiot fehlt gesperrt, Gabbia und Loftus-Cheek schauen von der Tribüne. Im Mittelfeld rückt Krunic in den Fokus, links außen muss Theo Hernández erneut Dauerläufer und Spielmacher in Personalunion sein. Die Quote auf „Over 0,5 Tore“ ist ein Witz – 1,04 bis 1,06 – aber sie zeigt: Die Buchmacher trauen beiden Teams mindestens einen Treffer zu. Die Frage ist nur: Wer trifft erst, wer trifft letzt?

Lazio will das pokal-replay
Maurizio Sarri hat andere Sorgen. Seine Lazio ist gerade erst vom Abstiegsgroll befreit, die 37 Punkte sind kein Polster, sondern ein Stückwerk. Seit sieben Liga-Spielen wartet der Klub auf einen Sieg, vier Remis, drei Niederlagen. Die Krankenliste liest sich wie ein Kaderverzeichnis: Rovella, Cataldi, Basic, Provedel. Im Tor steht wieder der 22-jährige Motta, hinter ihm nur noch die Rom-Friedhof-Stille.
Trotzdem: Im Pokal schickte Sarri Milan nach Hause. Zaccagnis Flugkopfball war der Moment, an dem Pioli sich umdrehte und wusste: Das war mehr als Pech. Lazio wird versuchen, genau diese Szene zu rekonstruieren. Marusic und Felipe Anderson sollen Theos Flügel lahm legen, Immobile lauert auf den einzigen Fehler von Tomori.

Die zahlen, die brüllen
Milan hat seit September keine drei Pflichtspiel-Siege in Folge mehr geschafft. Lazio kassierte in den letzten fünf Heimspielen neun Gegentore. Beide Teams trafen in dieser Saison binnen 46 Ligaspielen nur dreimal nicht. Die Wahrscheinlichkeit auf „beide Teams treffen“ liegt bei 1,57 – ein Wert, der selbst Kontrollfreaks nervös macht.
Und dann ist da noch die Meister-Metaphysik. 2012 holte Milan noch 20 Punkte aus den letzten zehn Spielen, 2020 sogar 24. Die Fans erinnern sich an die kurioseste Aufholjagd: 1999, als Lazio selbst noch neun Punkte Vorsprung verspielte. Pioli war damals Spieler. Heute ist er Chef – und weiß: Rom ist kein Schauplatz, Rom ist Schicksal.
Am Ende wird eine einzige Szene entscheiden: eine Einzelaktion von Rafael Leão, ein Standard, ein Handelfmeter nach VAR-Einschaltung. Oder eben das, wovon alle sprechen, aber keiner aussprechen will: ein neuerlicher Patzer von Maignan, ein verlorener Ball in der Nachspielzeit. Wer jetzt nach Taktik fragt, hat die Stadt nicht verstanden. In Rom zählt nur die Show – und die Punkte.
