Mihambo verpasst istaf-sieg um einen zentimeter – saisonende nach herzschlagfinale
0,8 Zentimeter. So viel Luft lag zwischen Triumph und Silber für Malaika Mihambo, als der Ball im Berliner ISTAF Indoor endgültig fiel. 6,57 Meter – dieselbe Weite wie Siegerin Pauline Hondema, doch die Niederländerin hatte den besseren zweitbesten Sprung. Die Olympiasiegerin nagelte damit zwar ihre eigene Hallenbestleistung aus Dortmund erneut, musste sich dennoch geschlagen geben.
Ein millimeterkampf, der erst im fünften durchgang entschied wurde
Die Spannung baute sich schleichend auf. Nach drei Runden war Mihambo auf dem letzten Platz, ihre Beine wirkten schwer, der Start unrhythmisch. Dann kam der vierte Versuch: 6,57 Meter, zwischenzeitlich die Führung, das Publikum tobte. Hondema konterte Sekunden später mit derselben Marke, Kälin aus der Schweiz warf sich mit 6,56 Meter ein. Die Anzeigetafel spiegelte ein Drehbuch wider, das selbst Hollywood als zu unrealistisch abgelehnt hätte.
Im fünften Durchgang blieb Hondema stabil, Mihambo verpasste die Antwort. Im sechsten und letzten Versuch passierte – nichts. Keine Feder mehr, keine Millimeter. Die 32-Jährige atmete tief durch, lächelte trotzdem, doch ihre Körpersprache verriet die Wahrheit: Die Saison ist gelebt, die Batterie leer.

Mihambo zieht sich aus der halle zurück – und das ist kein pr-move
Vor dem Wettkampf hatte sie offen gestanden: „Ich bin körperlich nicht ganz da.“ Keine Worthülse, sondern ehrlicher Selbstblick. Die Hallen-WM in Torun ist für sie kein Thema, das ISTAF war der letzte Auftritt vor der Sommerpause. Der Fokus gilt nun der Freiluftsaison, wo sie ihre Krone verteidigen will. Die Entscheidung wirkt konsequent, nicht dramatisch – ein Profi, der weiß, wann es Zeit ist, den Riegel vor die Saison zu ziehen.
Die Zahlen sprechen trotzdem Bände: 6,57 Meter in der Halle bedeuten Auftrieb. 7,07 Meter Meetingrekord, aufgestellt 2020, liegen nur 50 Zentimeter entfernt, aber Welten. Die Frage ist nicht, ob sie wieder in diese Regionen vorstoßen kann – sondern wann. Und ob die Konkurrenz, die jetzt schon dicht aufrückt, bis dahin noch enger wird.
Der Sprung von Berlin ist kein Abgesang, sondern ein Komma. Die Saison ist halb geschrieben, das Kapitel Sommer beginnt auf einer blanken Weitsprungbahn irgendwo in Europa. Dort wird Mihambo wieder anlaufen, die Beine frisch, der Kopf klar. Und die Gegnerinnen wissen es: Ein Zentimeter Vorsprung reicht nicht, um eine Olympiasiegerin zu besiegen – nur, um sie kurz zu ärgern.
