Mercedes zerlegt melbourne: russell und antonelli liefern den ersten doppelsieg seit 450 tagen

16 Monate hat es gedauert. Dann schlug George Russell im Zielbogen von Albert Park so laut aufs Lenkrad, dass die Kamera am Halo wackelte. Hinter ihm kreuzte Kimi Antonelli als Zweiter auf, und die Silberpfeile hatten ihren ersten Doppelsieg seit Suzuka 2024. Die Quittung für einen Motor, der mehr Elektro- Boost liefert als ein Tesla auf Nitro.

Der neue hybrid schlägt wie ein boxer

Motorchef Hywel Thomas hatte vor dem Rennen gesagt: „Wenn die Batterie voll ist, vergiss das alte DRS.“ Er hatte recht. Statt 22 Sekunden Öffnen am Hinterflügel gibt es jetzt 160 kW Extraschub – genug, um auf der kurzen Geraden vor der Schikane einen Ferrari wie einen Anfänger aussehen zu lassen. Russell nutzte den „Overtake Mode“ dreimal innerhalb von fünf Runden gegen Charles Leclerc. Das sah aus wie ein Cheat-Code, klang im Teamfunk aber nach Liebesbrief: „Ich mag dieses Auto, ich mag diesen Motor.“

Die Folge: Mercedes ging früh rein, Ferrari blieb draußen, weil die Rechnung sagte: Unterbrechung durch Isack Hadjar’s platten Honda kommt bestimmt. Kam sie – und drehte die Strategie um. plötzlich lagen Lewis Hamilton und Leclerc mit gebrauchten Reifen hinter den Silberpfeilen, die ihre frischen Habseligkeiten bis zum Ende durchbrachten. 52 Runden lang war danach kein einziges Manöver mehr nötig. Mercedes kontrollierte die Pace mit einer Ruhe, die an die alten V6-Tage erinnert.

Audi versenkt sich selbst – und landet trotzdem in den punkten

Audi versenkt sich selbst – und landet trotzdem in den punkten

Während oben auf dem Podium Sekt spritzte, stand Nico Hülkenberg noch in seiner Boxengasse. Die Telemetrie war schon auf der Formation Lap ausgestiegen, der deutsche Traditionshersteller kam gar nicht erst zum Start. Stattdessen rückte Gabriel Bortoleto als Ersatzmann in die Top-10 – und schaufelte so zwei WM-Punkte in die noch leere Audi-Kasse. Kleiner Trost nach einem Wochenende, das mit PR-Fanfaren begann und mit einer Leitungsschelte endete.

Max Verstappen zeigte indes, warum man ihn trotzdem nicht abschreiben darf. Startplatz 20, Frontflügel getauscht, nach Q2-Crash. Er schob sich durchs Feld wie ein Freitagabendfahrer in der U-Bahn – nur schneller. Am Ende wurde er Sechster, holte trotzdem die meisten Zähler der letzten beiden Jahre in einem einzigen Rennen. Die Red-Bull-Honda-Power-Unit ist alt, aber noch nicht senil.

Die Bilanz nach 58 Runden Melbourne: Mercedes ist zurück, Ferrari hat sich erneut selbst geschlagen, und die Fans haben gelernt, dass man künftig zweimal hinschauen muss – einmal auf das Zeitdisplay, einmal auf die Batterieanzeige. Die Silberpfeile feiern, die Konkurrenz rechnet. Die Saison ist keine Runde alt, und schon jetzt kocht ihr Herz bei 1.000 Volt.