Melsungen: handball-helden feiern – und bangen um die champions league!
Melsungen – Ein Sommermärchen der besonderen Art erlebt der TSV Melsungen derzeit. Nach dem sensationellen Europapokalsieg stehen die Spieler und Verantwortlichen im Handball-Bundesliga vor einem Szenario, das jeder Logik zuwiderläuft: Nur eine Niederlage am Donnerstag gegen die Füchse Berlin würde die Qualifikation für die Champions League sichern. Ein Sieg oder gar ein Unentschieden könnten die Traumvorstellungen zunichtemachen.
Der verrückte regelparagraf
Die Ausgangslage ist tatsächlich absurd und verdankt sich einem komplizierten Zusammenspiel der Bundesliga-Regeln und der Möglichkeit, dass die Füchse Berlin im Finale der Champions League noch die SG Flensburg-Handewitt überholen und den Titel gewinnen. Sollte dies geschehen, und Berlin gleichzeitig in der Bundesliga auf Platz zwei zurückrutscht, wäre Melsungen trotz des Europapokalsiegs nicht für die Königsklasse qualifiziert. Eine Situation, die selbst gestandene Handball-Experten vor ein Rätsel stellt.
Die Spieler scheinen das Chaos zu genießen. Nach über 40 Stunden im Dauer-Feier-Modus wurde der Team am Dienstag im Marktplatz von Kassel mit einem Fan-Empfang gefeiert, den der Oberbürgermeister als „kleines Sommermärchen“ bezeichnete. Die Rückkehr ins Training ist für Mittwoch geplant, bevor es am Donnerstag in der ausverkauften Rothenbach-Halle gegen Berlin weitergeht. „Es wird nicht bis zum Berlin-Spiel durchgefeiert“, versicherte Torwart-Trainer Carsten Lichtlein, doch die Gefahr einer kleinen Leistungsdelle ist unverkennbar.
Kapitän Timo Kastening zeigte sich unbeeindruckt: „Das ist alles völlig wurscht.“ Auch wenn die Spieler im Moment noch ausgelassen feiern, so ist die Spannung vor dem entscheidenden Spiel am Donnerstag greifbar. Besonders Keeper Nebojsa Simic, der im Finale gegen Kiel zum Matchwinner avancierte, schien den Ernst der Lage bereits erkannt zu haben und meldete sich am Sonntagabend, sichtlich erschöpft, „ab“ – mit dem viralen Ausruf: „Das war’s, Baby. Simic out.“
Die Ironie der Situation ist kaum zu überbieten: Melsungen, der frischgebackene Europapokalsieger, steht kurz davor, aufgrund einer höchst unwahrscheinlichen Konstellation die Champions League zu verpassen. Ein Beweis dafür, dass im Handball – und im Leben – nicht immer der Sieger auch der Nutznießer ist. Der Druck liegt auf den Schultern der Berliner, die nun nicht nur um die Meisterschaft, sondern auch indirekt um die Chance für Melsungen kämpfen müssen.

Ein finale der besonderen art
Das Spiel gegen die Füchse Berlin wird daher zu einem Handball-Krimi, der weit über die sportliche Bedeutung hinausgeht. Es ist ein Spiel, in dem es um Ehre, Stolz und die Hoffnung auf ein weiteres Jahr in der europäischen Handball-Elite geht. Melsungen muss sich sammeln, die ausgelassene Stimmung hinter sich lassen und auf dem Platz Gas geben – denn diesmal gilt: Siegen ist Pflicht, verlieren verboten!
