Megabox fegt athen weg und schreibt ein stück männer-volleyball-geschichte
Vallefoglia ist Europas neue Volleyball-Hochburg. Die Megabox Ondulati del Savio schlägt im CEV-Cup-Finale Panathinaikos Athen mit 3:0 und krönt ihre sechsjährige Club-Geschichte mit dem ersten europäischen Titel.
Ein dorf mit 14.000 seelen wird zum gipfel
Die Zahlen passen nicht zusammen: 14.000 Einwohner, ein Verein, der 2018 aus der Taufe gehoben wurde, und jetzt der Pokal, der 15 Jahre nach dem Triumph der Chateau d’Ax wieder in die Marken zurückkehrt. Präsident Ivano Angeli ließ sich nach dem 3:2 im Hinspiel nicht lumpen: Charterflug, 500 mitgereiste Fans, Megafon in Grün-Weiß. Er kam, sah und feierte – 75 Minuten nach dem ersten Aufschlag war die Mission erfüllt.
Druck? Nur im ersten Satz. Dann riss Polin Lampkowska mit sieben Angriffspunkten den Faden, die Annahme um Martina Bici lief wie ein Uhrwerk, und als Chiappini auf griechischer Bank die Auszeit nahm, stand es bereits 6:11. Athen wankte, die Megabox biss. Ein knallharter Block von Ana Butigan zum 18:12 – das war die Szene, die das Olympiastadion verstummen ließ.

Mvp bici trägt den pokal, die marken trägt das herz
21:20 im dritten Satz, Spielstand 2:0, Athen mit dem Rücken zur Wand. Giovannini serviert, der Griechen-Pass rutscht durch, Bici tippt diagonal – 22:20. Sekunden später verwandelt sie den erste Matchball mit einem Aufschlagserien-Ace. 25:23, 25:21, 25:23 – die Zahlen wirken knapp, der Eindruck war eindeutig.
Die Megabox kassierte in der Endrunde keinen einzigen Satzverlust, Bici wurde zur MVP gekürt und durfte als Erste den silbernen Pokal in die Höhe stemmen. Dabei stand sie vor zwei Jahren noch in der zweiten italienischen Liga. „Wir haben nichts geschenkt bekommen“, sagt Trainer Pistola, „wir haben es uns erarbeitet – Punkt für Punkt, Block für Block, Flug für Flug.“
Für die Marken bedeutet der Coup mehr als ein Pokal. Es ist die Revanche für Jahre der Finanzprobleme, der Abwanderung der Talente, der Leere in den Hallen. Nun schreibt eine 22-jährige Diagonalangreiferin aus Pesaro Geschichte – und ein Präsident, der mit Klinkersteinen Geld verdient, mit Volleyballträumen aber ein ganzes Stück Heimat rettet.
Am Flughafen Eleftherios Venizelos wartete bereits der Meisterjet. In 90 Minuten geht’s zurück nach Rimini, dann mit offenem Dach durch Vallefoglia. 15 Jahre waren es wert zu warten. Die nächste Wartezeit beginnt sofort: Denn wer so schnell oben ist, will natürlich nie mehr runter.
