Mbappé zerstreut wm-angst: „ich war nie am ende“

Kylian Mbappé lachte, als er das Wort „WM-Aus“ hörte. Der Franzose hatte die letzten fünf Pflichtspiele von Real Madrid verpasst, spanische Radiosender spekulierten über einen Bandriss, französische Boulevardblätter malten das Szenario aus, dass der Superstar in Katar fehlen könnte. Jetzt sitzt er in Boston, zieht sich das Trikot der Équipe Tricolore über und sagt: „Die WM war nie in Gefahr. Ich hatte maximal einen Teilriss, das wäre eine Pause bis April gewesen – nicht mehr.“

Die Zahlen sprechen für sich: 14 Tage kein Mannschaftstraining, zwei Kurzauftritte als Joker gegen Manchester City und Atlético, 62 Minuten Spielzeit seit dem 26. Februar. Dennoch reiste er mit, weil Didier Deschamps ihn nicht zwingen wollte, sondern fragen. „Ich wollte dabei sein“, sagt Mbappé, „wir fliegen nicht in die USA, um Souvenirs zu kaufen, sondern um die letzten Automatismen für Katar zu testen.“

Real folgt einem protokoll, das es offiziell gar nicht gibt

Alvaro Arbeloa, interimscoach bei Real Madrid, bestätigt: „Er ist körperlich bei 100 Prozent.“ Tatsächlich haben die Mediziner um Niko Mihic einen Mikro-Zyklus entworfen: 48 Stunden Doppelbelastung, 24 Stunden Erholung, wiederholte Isokinetik-Tests, keine Vollbelastung vor der Länderspielreise. Das Gremium um Mihic ist berühmt dafür, Spieler bis zur letzten Sekunde zu schonen – siehe Eden Hazard, dessen Muskelbündelriss 2021 ebenfalls erst nach externen Tests in Lille offiziell wurde.

Der Unterschied: Mbappé flog selbst nach Paris, ließ sich beim Praxispartner Dr. Philippe Landreau ein zweites MRT machen, das Ergebnis blieb identisch: Irritation im hinteren Kapselband, keine strukturelle Läsion. „Ich habe mich an einen Trainingsplan gehalten, um langsam wieder einzusteigen“, sagt er. Frustration habe ihn gepackt, aber keine Panik.

Us-trip als feuerprobe für den takt-fuchs

Us-trip als feuerprobe für den takt-fuchs

Gegen Brasilien wird Deschamps wohl in einem 4-2-3-1 starten, Mbappé links vorne, neben Benzema zentral und Griezmann als hängende Spitze. Drei Tage später gegen Kolumbien testet er vermutlich das 3-4-1-2, Mbappé dann mit Schnellstoßrecht im leeren Halbraum. Die Gegner liefern das, was Frankreich im November erwartet: Hochpressing (Brasilien) versus Tiefes 4-4-2 (Kolumbien). Für Mbappé ist das kein Freundschaftsspiel-Doppelpack, sondern ein Leistungstest unter Wettkampfbedingungen.

Die Uhr tickt. In 241 Tagen startet die WM. Mbappé weiß, dass jede Minute zählt, weil Frankreich ohne ihn im Aufbauspiel nur 1,8 Tore pro Spiel schießt – mit ihm 2,4. Die Differenz mag marginal klingen, reicht aber, um Titel zu gewinnen. Deshalb flog er trotz Knie, trotz Medienrummel, trotz Risiko. „Ich bin kein Urlaubsreisender“, sagt er und grinst. „Ich will in Katar der Unterschied sein.“

Die nächsten 180 Minuten in Amerika werden zeigen, ob das Knie mitspielt – oder ob die Gerüchte zurückkommen. Für Mbappé ist klar: „Wenn ich auf dem Platz stehe, bin ich bereit, das Turnier zu dominieren.“ Punkt. Keine Fragezeichen mehr.