Matthäus zieht bilanz: hoeneß, real-madrid-pleite und der elfmeter, den er nie schoss
Lothar Matthäus wird 65 – und redet zum ersten Mal ohne Gnade darüber, wie Uli Hoeneß ihn jahrelang öffentlich fertigmachte, warum er 1991 nicht zu Real Madrid durfte und warum er im WM-Finale 1990 den Ball nicht aufs Tor legte.
Der ewige streit mit hoeneß endet in schweigen
„Ich schüttelte nur noch den Kopf“, sagt Matthäus rückblickend auf die Medienattacken des Bayern-Ehrenpräsidenten. Statt anzurufen, schoss Hoeneß über die Presse – zuletzt wegen Matthäus‘ Kritik am Transfer von Nick Woltemade. Die Antwort des Rekordnationalspielers: „Ich schieße nicht zurück mit derselben Munition.“ Er wolle keine Schlagzeilen erzeugen, sondern ehrlich analysieren. Bayern München schützt er genauso wenig wie Borussia Mönchengladbach oder einzelne Spieler. „Ich sage, was ich sehe“, betont er – und lässt damit die Bombe platzen, dass er künftig auf Gegenfeuer komplett verzichtet.

Real madrid 1991 – der transfer, der nie stattfand
Zwischen Matthäus und Real Madrid war 1991 bereits alles klar – Medizincheck, Gehalt, Marketingrechte. Doch Ernesto Pellegrini, Präsident von Inter Mailand, verweigerte die Freigabe. „Das wäre es gewesen!“ , schwärmt Matthäus noch heute. Statt Madrids Weiß trug er weiter das Schwarz-Blau der Nerazzurri. Die Folge: eine weitere Serie A-Saison, aber keine spanische Legendensammlung. Für viele Fans ist dieser geplatzte Wechsel der größte „Was-wäre-wenn“-Moment der Bundesligageschichte.

Der elfmeter, den er brehme überließ – und das vertrauen, das weltmeister machte
1990 in Rom stand Matthäus selbst bereit, ehe er den Ball an Andreas Brehme weitergab. Schuhwechsel, Nervosität, Kalkül – die Gründe spielten keine Rolle mehr, als Brehme traf und Deutschland Weltmeister wurde. „Für manche war das Feigheit, für viele war es Größe“, erinnert sich Matthäus. Über 1000 Nächte hatten die beiden im Doppelzimmer verbracht, daraus entstand ein Vertrauen, das enger war als viele Ehen. „Ich bin mit einem Bruder Weltmeister geworden“, sagt er – und verleiht dem Satz damit eine Intensität, die selbst 35 Jahre später Gänsehaut erzeugt.
Heute, drei Tage vor seinem 65. Geburtstag, sitzt Matthäus im TV-Studio und analysiert statt auf dem Rasen zu herrschen. Die Beine sind still, der Blick scharf. Er hat nichts mehr zu beweisen – nur noch Geschichten zu erzählen. Und die reichen von fast unerträglicher Nähe zum spanischen Traumklub bis zu einem WM-Finale, das er nicht mit einem Tor, sondern mit einem Verzicht prägte. Manchmal ist eben nicht der Schlag, den man führt, sondern der, den man auslässt, der die Karriere definiert.
