Matthäus schlägt alarm: karl muss zur wm – el mala steht auf der kippe
Lothar Matthäus zückt den Zeigefinger. Der Rekordnationalspieler fordert Julian Nagelsmann auf, beim WM-Kader kein Risiko mit Lennart Karl einzugehen. „Ich würde den Jungen sofort mitnehmen, keine Diskussion“, sagt er dem kicker und schickt damit eine klare Botschaft Richtung DFB-Quartier.
Die Begründung klingt wie ein Sechser im Lotto: Unbekümmertheit. Frechheit. Qualität. Drei Zutaten, die laut Matthäus in keiner anderen deutschen Offensivkante so konzentriert stecken wie im 18-jährigen Bayern-Flügel. „Er kann ein Spiel mit einer einzigen Aktion aufreißen – und das weiß er auch“, schwärmt Matthäus, der Karl schon in der Youth-Liga beobachtet hat.
El mala: tempo ja, rhythmus nein
Während Karl längst auch in der Champions-League-Truppe der Bayern mittrainiert, steht der erst 19-jährige Said El Mala beim 1. FC Köln noch vor der Etablierung. Matthäus holt da schon mal die Schere raus: „Wenn du nicht mal Stammkraft im Klub bist, wird der Sprung auf WM-Niveau zur Zitterpartie.“ Dabei lobt er durchaus die explosive erste Kontaktzeit und die Dribbelwucht des Kölners – „nur nützt das wenig, wenn die Erfahrung fehlt“.
Die Zahlen untermauern die Skepsis: El Mala kam in dieser Saison erst auf 684 Bundesliga-Minuten, Karl steuerte bei den Bayern schon 1.021 Minuten in allen Wettbewerben bei – mit drei Treffern und vier Vorlagen. „Karl spielt gegen Real Madrid, El Mala gegen Mainz. Beides ist Bundesliga, aber die Intensität ist eine andere“, sagt ein Bundestrainer-Lieutenant, der anonym bleiben will.

Die chemiefrage: 26 egos, ein ziel
Matthäus betont, dass Nagelsmann nicht nur Qualität, sondern auch Charakterfragen klären muss. „1990 haben wir gelernt, dass der beste 26. Mann noch besser ist als ein 25., der nebenher seinen Marktwert pflegt“, erinnert er an den legendären WM-Titel unter Franz Beckenbauer. Die Parallele ist bewusst: Auch damals nahm der Kapitän einige Rohdiamanten mit, statt erprobter Routine. Der Unterschied: Die Diamanten waren schon in der Gruppe gefestigt.
Für Karl wäre der Sprung ins WM-Geheimnis ein Turbo. Sponsorenverträge, Image-Wert, internationaler Markt – alles könnte in zwei Monaten steil gehen. Aber auch die Gefahr des Überfütterns lauert. „Wenn du mit 18 zur WM fährst, bist du mit 20 kein Talent mehr, sondern Gesicht der neuen Generation. Da wird erwartet, dass du liefert“, warnt Matthäus und zitiert Jamal Musiala: „Der Junge hatte mit 19 auch kein Entwicklungskredit mehr, sondern musste Tore machen.“
Nagelsmann hat noch 72 Stunden, bis die provisorische 35er-Liste an den FIFA-Servern hochgeladen wird. In seinem MacBook stecken bereits zwei Listen: eine konservative mit El Mala, eine mutige mit Karl. Laut Insidern tendiert der Bundestrainer zur Variante zwei – auch weil Karl in der vergangenen Woche im internen Testspiel gegen die U-21 den Siegtreffer erzielte. „Er hat uns alle verarscht, und das meine ich positiv“, sagte Antonio Rüdiger hinterher.
Für El Mala bleibt die Hoffnung auf den EM-Platzhalter-Status. Aber selbst da wird es eng: Mit Youssoufa Moukoko, Karim Adeyemi und Florian Wirtz buhlen schon drei offensive Assen um dieselbe Reservistenrolle. Die Botschaft ist klar: Wer nicht jetzt liefert, fliegt später.
Matthäus’ Fazit ist ein Satz, der in jedem DFB-Büro hängen sollte: „Lieber einen zu früh als einen zu spät.“ Die Zeiten, in denen Deutschland auf Sicht fährt, sind vorbei. Bei der WM in Kanada/USA/Mexiko zählt nur ein Kader, der bereit ist, sofort zu brennen. Karl brennt – El Mala muss noch Feuer fangen.
