Matarazzo-toprak heizen real sociedad ein: pokalfinale nach 1:0 im basken-duell?
Ein 1:0 in Bilbao, zwölf Pflichtspiele, 2,25 Punkte im Schnitt – Pellegrino Matarazzo und Co-Trainer Ömer Toprak haben Real Sociedad in drei Monaten von der Abstiegszone bis an die Schwelle zum Pokalfinale geführt. Am Mittwoch (21 Uhr) reicht der Heimauftritt gegen Athletic im Rückspiel ein erneutes Unentschieden, um am 25. April nach Sevilla zu fahren.
Vom hoffenheim-aus zur copa-traumstart
Die Verpflichtung des 47-jährigen US-Amerikaners kam Ende Dezember 2025 für viele überraschend. Nach dem Rauswurf bei der TSG Hoffenheim schien Matarazzo in Deutschland abgehakt. In San Sebastián fand er sofort Gehör. Seine erste Maßnahme: Toprak, frisch suspendierter Kapitän der Werder-Defensive, sofort als Co-Trainer an die Seite stellen. Keine Experimentierkultur, sondern klare Kommandos. Das Ergebnis: Nur eine Niederlage – bei Real Madrid mit 1:4 –, sonst acht Siege und drei Remis.
Die Zahlen sind kaum glaubhafter als die Stimmung im Estadio Anoeta. Mikel Oyarzabal, der spanische Nationalstürmer, beschreibt die neue Mentalität so: „Jeder zieht ein bisschen mehr an, weil es für alle ein Neuanfang ist.“ Der 1:0-Sieg im Hinspiel in Bilbao war kein Zufallstor, sondern die logische Folge einer kompakten 4-4-2-Struktur, die Matarazzo aus Stuttgart mitbrachte und Toprak in Einzelgesprächen mit den Innenverteidigern verfeinerte.

Barcelona-bezwinger mit mathematik und mannschaftsbus
Den Wendepunkt markierte der 2:1-Erfolg gegen Barcelona. Die katalanische Presse sprach vom „Matarazzo-Effekt“, die spanische AS feierte den „Amerikaner, der Barca stoppte“. Seine Antwort darauf: keine PR-Geste, sondern die nüchterne Feststellung, „der Stil muss sich weiterentwickeln“. Dahinter steckt der studierte Mathematiker, der Spielverlagerungen per Algorithmus vorbereitet und die Laufwege seiner Flügelspieler in Millimetern justiert.
Real Sociedad liegt wieder auf Rang acht, nur zwei Zähler trennen die Mannschaft von der Europa-League-Zone. Der Pokal ist das größere Ziel. 2020 gewannen die Basken zuletzt die Copa del Rey, diesmal winkt das Finale im eigenen Land. Die Fans haben bereits ihre Fahrten nach Andalusien gebucht, die Ticketpreise auf dem Schwarzmarkt vervierfachten sich innerhalb von 48 Stunden nach dem Hinspiel.
Matarazzo selbst bleibt außen vor: „Der Weg ist richtig, aber wir sind noch nicht dort, wo wir sein müssen.“ Die Bescheidenheit täuscht. Seine Bank ist aufgestellt, sein Co-Trainer Toprak kennt die Liga aus 306 Bundesligaspielen. Gemeinsam haben sie San Sebastiän wieder zur Festung gemacht: nur zwei Gegentore in den letzten fünf Heimspielen. Wenn Athletic am Mittwoch nicht mindestens zwei Tore schießt, fliegt der Klub, der die Copa seit 1984 nicht mehr gewann, raus – und Matarazzo steht als nächster deutscher Trainer im Finale von Sevilla.
