Matanovic schlägt doppelt: freiburg fegt st. pauli ins abstiegschaos
Igor Matanovic kehrte als Henker zurück. Der einstige Paulianer schoss den Kiez-Klub mit zwei späten Treffern (65., 78.) tiefer in die Krise – und sorgte dafür, dass der SC Freiburg drei Tage nach dem Europa-League-Spektakel gegen Genk auch in der Bundesliga wieder oben mitmischt.
2:1 in Hamburg, Platz fünf in Sichtweite. Die Zahlen sind hart, aber ehrlich: St. Pauli bleibt Vorletzter, nur einen Punkt vor dem Kellerkind Bochum. Die Freiburger dagegen dürfen nach dem fünften Auswärtssieg der Saison wieder vom internationalen Geschäft träumen.
Früher held, jetzt todbringer – matanovic lacht den kiez aus
24 Minuten lang jubelte der Millerntor-Kurve. Danel Sinani hatte den Aufsteiger in Führung geschossen, die Pyro-Choreo am Mannschaftsbus schien zu wirken. Doch Matanovic, 2022 noch selbst Teil des Pauli-Kaders, netzte aus kurzer Distanz zum Ausgleich ein. Dreizehn Minuten später fiel erneut sein Name – diesmal nach feiner Vorarbeit von Vincenzo Grifo, der sein 300. Bundesliga-Spiel absolvierte und die Partie wie ein Feldherr dirigierte.
Trainer Julian Schuster atmete tief durch. „Der Sieg war nicht nur verdient, er war auch wichtig für unsere Psyche“, sagte er nach Abpfiff. Drei Liga-Spiele ohne Sieg, Pokal-Halbfinale am Dienstag gegen RB Leipzig – die Belastung war spürbar. Doch seine Mannschaft fand zurück zur Rigorosität der Genk-Nacht.

Blessins elf steckt im sog der zweiten saisonhälfte fest
Alexander Blessin schüttelte den Kopf. „Wir haben 70 Minuten die Kontrolle gehabt, dann verlieren wir die Ordnung.“ Die Statistik bestätigt’s: Kein Bundesligist kassierte in der Rückrunde mehr Gegentore (17) als St. Pauli. Die personelle Lage bleibt dünn, der Spielplan eng. „Wenn wir nicht endlich Punkte sammeln, wird es ganz, ganz eng“, warnte Blessin.
Die Fans feuerten bis zum Schluss, doch die Luft ist raus. Vor dem Frühlingsdom, neben dem Riesenrad, das sich langsam dreht, bleibt der Blick nach unten. Noch vier Spiele bis zur Winterpause – bei Union, gegen Mainz, in Dortmund. Der Abstand zum rettenden Ufer: zwei Punkte, aber das Gefühl von Endlosigkeit.
Freiburg reist dagegen mit Rückenwind nach Leipzig. Pokal-Halbfinale, Europa-League-Viertelfinale, Liga-Anschluss an die Spitze – der SC lebt seinen Dauerbrenner-Traum. Und Matanovic? Der lacht. Erst im Interview, dann mit der Mannschaft im Kabinengang. Der Kiez kann ihm nichts mehr geben – außer vielleicht ein letzter Abschiedstritt in den eigenen Abstieg.
