Matanovic schießt freiburg zum sieg – und schweigt am millerntor
Igor Matanovic trat am Millerntor an, wo er einst als Balljunge die Tribüne kennenlernte – und verließ den Platz als Matchwinner im Trikot des SC Freiburg. Ein Doppelpack, zwei Geschichten, null Jubel.
Der heimkehrer, der nicht jubelte
13 Jahre trug er das Kiez-Emblem auf der Brust, wurde vom Nachwuchs zum Profi. Am Sonntag donnerte er seine alte Liebe in die Knie. Minute 62: Grifos Schuss prallt ab, Matanovic reagiert schneller als die St.-Pauli-Abwehr, Oberschenkel, Netz – 1:1. Er dreht sich ab, zieht die Hand hoch, kein Faustschlag, kein Schrei. 12 Minuten später gleicht sich die Szene: Vasilj blockt, Matanovic lauert, Abstauber, 2:1. Wieder Stille. „Ich war als kleiner Bub hier auf der Tribüne“, sagt er später bei DAZN, Stimme rau wie nach 90 Minuten Kopfballduellen. „Deshalb habe ich mich zurückgehalten.“
Die Logik des Fußballs verlangt Rache, die Logik des Herzens Dankbarkeit. Matanovic löst das Dilemma mit Stoizismus: zwei Treffer, drei Punkte, ein gebrochenes Herz. „Trotzdem trage ich heute das Freiburger Wappen auf der Brust“, betont er. Die Fans feierten ihn trotz Niederlage mit Applaus, als er in der 88. Minute ausgewechselt wurde – eine Geste, die im Business selten ist.

Freiburg entflieht dem frische-kollaps
Donnerstag Europa League, Sonntag Liga – dieselbe Startelf. Die erste Hälfte: lahm, ideenlos, 0:1. Trainer Julian Schuster reagiert zur Pause, bringt Irié und Lienhart, schaltet um auf konsequentes Umschaltspiel. Matanovic nutzt die Lücken, die St.-Pauli-Defensive wirkt wie nach 120 Minuten Verlängerung. „Riesenglück“, sagt er über seinen ersten Treffer, doch wer 100 Male den Weg läuft, hat den zweiten Treffer verdient.
Der Auswärtssieg ist Freiburgs erster in der laufenden Rückrunde. Die Breisgauer springen auf Tabellenplatz fünf, Matanovic steht bei fünf Saisontoren – seine beste Bundesliga-Bilanz. Am Millerntor bleibt nur ein verlorenes Heimspiel und die Erkenntnis: Manchmal gewinnt der, der nicht jubelt.
