St.gallen nagelt unbesiegbar-rekord an die wand – und schon lauert der nächste gegner

Elf Spiele, kein Frust. St.Gallen flog Samstagnacht aus dem Wallis zurück – und kratzte sich am Bart: Wieder nur 1:1 in Sitten, wieder ein Rückstand gedreht, wieder der Diego-Besio-Flash per Traumflanke. Die Espen sind seit 96 Tagen unbesiegbar, egalisieren den Klubrekord aus der Meister-Frühjahrssonne 2022. Damals beendete Luzern den Lauf. Diesmal? Warten darf der FCZ erst mal.

Der januar kratzt noch im hals

Erinnerungstaste: Servette, 21. Januar, 2:0 zur Pause, dann vier Gegentreffer binnen 30 Minuten. Die einzige Niederlage des Kalenderjahres. Danach: Neun Siege, zwei Remis, 33 Punkte aus 11 Runden. Die Tordifferenz: plus 19. Kein anderes Super-League-Team ist auch nur annähernd so dominant. Die Espen spielen nicht nur Ergebnis, sie spielen Tempo: 28 Tore, kein anderes Team schoss mehr.

Der Trick: Enrico Maassen rotiert ohne Risse. Keine Elf blieb in dieser Serie zweimal gleich. Der jüngste Schnitt: 24,3 Jahre – jede Woche ein Power-Update. Gegen Sion wechselte der Coach dreimal zur Pause, Besio kam, lieferte die Vorlage, Jäger köpfte ein. Textbook.

Luzern und lausanne schielen auf das letzte stöckchen

Luzern und lausanne schielen auf das letzte stöckchen

Der Rekord ist egalisiert, der Führungsvorsprung beträgt sieben Zähler. Theoretisch kann St.Gallen die Meisterfeier am Ostermontag gegen Zürich nicht mehr verpassen – praktisch reicht ein Punkt in den restlichen vier Partien. Luzern und Lausanne hängen sich deshalb an jeden Ball, hoffen auf einen Rückschlag. Die direkte Konfrontation folgt erst am 33. Spieltag in der Zentralschweiz. Dort, wo vor zwei Jahren Luzerns Boubacar Barry den Rekord stoppte.

Die Zahlen nageln’s fest: Die Espen holten auswärts 73 Prozent der möglichen Punkte, kassierten in der laufenden Serie nur vier Gegentore nach der Pause – nie zuvor seit 2014 war eine St.Galler Defensive so stabil. Keeper Laidlaw schoss die Fangquote auf 78 %, Innenverteidiger Stillhart gewann 67 % seiner Zweikämpfe. Kein Zufall, sondern Plan.

Und Besio? Drei Tore, fünf Assists in elf Spielen. Der 21-jährige Flügel ist längst keine Geheimwaffe mehr – er ist das Tempo-Messer, an dem sich das ganze Team orientiert. Ohne ihn lief es in der Cup-Pause stockend, mit ihm zischt der Ball diagonal ins Tor.

Zürich steht als nächstes quer

Zürich steht als nächstes quer

Der FCZ empfängt die Espen, obwohl er selbst in der Krise steckt: nur ein Sieg aus den letzten acht Partien, Trainer Meier unter Beschuss. Genau das macht das Duell brisant. St.Gallen kann den Meister-Tanz schon einstudieren, Zürich braucht jeden Punkt im Kampf um die Europa-Plätze. Die Letzigrund war nie ein Bunker für die Ostschweizer: In den vergangenen sieben Jahren gewannen sie erst einmal – 2020 mit 2:0. Aber diese Elf spielt Geschichte, nicht Statistik.

Die Gefahr: Wer den Sack zu früh zubinden will, schnürt sich selbst ab. Maassen warnt vor „Selbstzufriedenheit“, Kapitän Stillhart redet von „Riesen-Aufgabe“. Der Coach will den Rekord ausbauen, aber nicht riskieren, dass die Maschine ins Stottern gerät. Die Meisterschaft wird in der Championship-Group verteilt, nicht an einem Abend – das weiß auch der Klub, der 2000 zuletzt ganz oben stand.

Die Fans jedenfalls sind bereit. Bereits 4 500 Tickets für das Auswärtsspiel in Luzern sind weg, ein neuer Auswärtsrekord. Die Ostschweiz brennt darauf, das 23-Jahre-Wait zu beenden. Und wenn es läuft, fliegt nicht nur der Ball, sondern auch der Vereinsvorstand: Präsident Mathias Walther kündigte an, „die Korken knallen zu lassen, sobald die Mathematik passt“. Vorher gilt: Augen zu und durch – oder besser: Augen auf, Ball laufen.

Die nächsten Tage sind ein Spagat zwischen Contenance und Champagner-Können. Aber eins ist klar: Wer seit Januar nur eine Niederlage kassiert, der tritt nicht mehr auf der Stelle, der schreibt Geschichte – Satz für Satz, Spiel für Spiel. Und wenn die Espen nach elf ungeschlagenen Spielen noch immer Lust verspüren, warum sollte Zwölfte ihnen widerstehen?