Marxen übernimmt nord harrislee: harrislee setzt auf frischen wind in der 3. liga

Der TSV Nord Harrislee schläft nicht. Nur wenige Wochen nach Hendryk Jänickes Abschiedsbeschluss präsentiert der Handball-Drittligist seinen neuen Mann an der Seitenlinie: Sönke Marxen übernimmt ab Sommer 2026 das Ruder – gemeinsam mit Co-Trainerin Anna Helmer. Für Marxen ist es der erste Chefposten in Schleswig-Holstein, für Harrislee der Versuch, nach zwei stabilen Jahren endlich den Sprung in die vorderste Play-off-Reihe zu wagen.

Warum marxen? weil er die liga kennt – und sie hasst zu verlieren

Andreas Lemke, Abteilungsleiter der Nordfrauen, spricht es offen aus: „Wir wollten jemanden, der die 3. Liga Nord von innen kennt, nicht auf dem Papier.“ Marxen liefert die Referenzliste gleich mit: Seit 2020 steht er beim SV Henstedt-Ulzburg auf der Bank, zunächst als Jugend-Bundesliga-Coach, dann als Co-Trainer der Frauen, seit letztem Sommer als alleiniger Verantwortlicher. Er brachte den SVH auf Platz fünf – mit einem Kader, der kaum breiter war als ein Zigarettenpapier. Genau diese Ressourcenkunst will Lemke nun in Harrislee sehen.

Die Zahlen sprechen für sich: 61 Prozent Punkteausbeute in der laufenden Saison, 21 Siege in 34 Partien, eine Abwehr, die im Schnitt nur 23,4 Gegentore kassierte. Marxen hat keine Zauberformel, aber eine klare Philosophie: „Erst verteidigen, dann träumen.“ Das passt zum Verein, der in den letzten Jahren vor allem mit Kampf statt mit Klasse überzeugte.

Helmer bleibt – und wird laut

Helmer bleibt – und wird laut

Anna Helmer war schon unter Jänicke die taktische Stimme an der Seitenlinie. Nun wird sie lauter. Die 31-jährige Sportwissenschaftlerin koordinierte bisher vor allem Videoanalysen und Gegenstoß-Übungen, künftig übernimmt sie den kompletten Trainingsfahrplan. „Ich brauche keine Extra-Befugnisse“, sagt sie, „aber ich will Verantwortung.“ Ihre B-Lizenz ist nur ein Stück Papier – wichtiger ist ihr Blick fürs Detail: In 47 Spielen entdeckte sie 183 individuelle Schwächen der Gegnerinnen, katalogiert in Excel-Tabellen, die selbst Bundesliga-Scouts anfragen.

Die Chemie zwischen Marxen und Helmer entstand nicht am Reißbrett. Beide coachten bereits gemeinsam die SH-Landesauswahl U17, holten 2022 die Silbermedaille bei der Norddeutschen Rangliste. „Wir schreien nicht, wir erklären“, lautet ihr Credo. In Harrislee erwarten sie einen Kader mit neun gestandenen Damen und vier Nachwuchs-Talenten, die noch dazulernen wollen.

Die saison 2026/27 beginnt heute

Die saison 2026/27 beginnt heute

Marxen unterschrieb bis 2028, mit Option auf 2029. Gehalt? Stillschweigen. Budget? „Genug, um nicht jammern zu müssen“, sagt Lemke. Die erste Maßnahme steht schon fest: Ein Lehrgang in der Sportschule Kienbaum im Juli, gemeinsam mit den U19-Mädchen des Klubs. Doppelbelastung als Programm. „Wer hier alt wird, muss jung bleiben“, sagt Marxen und meint: Keine Trainingseinheit ohne Nachwuchs. Die U19 soll an der Lizenzmannschaft riechen, lernen, leiden.

Die Fans reagieren verhalten positiv. Die Facebook-Gruppe „Harrislee Handball Heart“ zählt 312 Mitglieder, 189 klickten „Gefällt mir“ unter der Bekanntgabe. Kritische Stimmen fehlen nicht: „Wieder ein Niedersachse, wieder ein B-Lizenzler“, schreibt User „Stina_7“. Lemge kontert offline: „Wir haben keinen Messias gesucht, wir haben einen Arbeiter gefunden.“

Der Countdown läuft. Noch 14 Spiele in dieser Saison, dann darf Jänicke Abschied nehmen. Sein Nachfolger sitzt bereits in der Halle, macht Notizen, zählt Passlinien. „Ich hasse Versprechen“, sagt Marxen, „aber ich liebe Zahlen.“ Seine lautet: 24 Punkte bis zur Play-off-Reife – mindestens. Harrislee wird nicht mehr schlafen. Und wenn es klappt, schläft die Konkurrenz.