Marokko zieht den plan vor: weltmeister 2026 statt 2030
Mohamed Ouahbi wirft den Zeitplan um. Statt 2030 will Marokko schon 2026 den Titel. Die Aussage klingt kühn, aber sie ist kalkuliert – und sie kommt direkt aus dem Munde des Mannes, der die U-20-Weltmeisterschaft gewann und nun die Atlaslöwen übernahm.

Der vierte platz in katar war kein zufall
Die Marokkaner haben ihre Hausaufgaben gemacht. Die Akademie Mohammed VI liefert seit Jahren Profis wie Youssef En-Nesyri und Azzedine Ounahi. Dahinter steht ein Netzwerk, das 2010 mit systematischem Scouting in Europa begann. Frankreich, Spanien, Belgien – überall halten Talentfahnder Ausschau nach Spielern mit marokkanischem Pass oder Elternhaus. Die Devise: „Niemand soll uns entwischen“, sagte Scout Rabie Takassa vor zwei Jahren.
In den letzten 13 Tagen wechselten sechs Junioren ihre Nationalität. Rayane Bounida (Ajax) ist schon in der A-Nationalmannschaft, die anderen folgen. Sie sind 17, 18 Jahre alt – pünktlich reif für 2026.
Die FIFA-Plattform „Cambio de Asociación“ zeigt es schwarz auf weiß: Marokko ist Europas neuer Konkurrent im Kampf um Dual-Talente. Thiago Pitarch (Real Madrid) und Ayyoub Bouaddi (Lille) stehen noch auf der Speisekarte. Beide spielen derzeit für Frankreich, beide haben marokkanische Wurzeln. „Ich muss mich noch nicht entscheiden“, sagt Bouaddi. Die Frist läuft, Marokkos Uhr tickt.
Die Afrikameisterschaft? Die wurde in den Büros der CAF zugesprochen – ein Trostpreis, der die Infrastruktur und das Etat aufpoliert. Doch der eigentliche Coup ist das U-20-Turnier in Santiago. Dort schoss Yassir Zabiri Argentinien die Krone vom Kopf. Zwei Tore im Finale, ein Generationenversprechen.
Spanien schaut besorgt. Javi Amaro von Radio Marca warnt: „Spanien kann den Fall Pitarch nicht ignorieren. Marokkos Angebot ist konkret.“ Die Iberer verloren schon Yunus Musah und Ansu Fati an den Markt. Der nächste Exodus könnte folgen.
Die Rechnung Ouahbis ist einfach: Je mehr Junioren er umdirigiert, desto größer der Pool für 2026. Das Turnier findet in den USA, Kanada und Mexiko statt – drei Länder mit starker marokkanischer Diaspora. Die Fans reisen, die Spieler fühlen sich daheim. Ein psychologischer Vorteil, den man in Rabat schon jetzt einplant.
Die Akademie läuft auf Hochtouren, das Scouting-Netz strafft sich, die FIFA-Regeln werden bis zur Grenze ausgereizt. Marokko spielt nicht mehr mit, Marokko bestimmt das Tempo. 2026 ist kein Wunschdatum mehr – es ist eine Deadline.
