Marokko: vom halbfinal-schock zum wm-traum 2030?
Ein Schock, eine bittere Strafe, und doch ein unerschütterlicher Glaube: Marokko hat sich in der Welt des Fußballs einen Namen gemacht, der weit über den afrikanischen Kontinent hinausreicht. Nach dem sensationellen Einzug ins WM-Halbfinale 2022 wird das Team von Mohamed Ouahbi nun mit immensem Druck und noch größeren Erwartungen konfrontiert – gilt der Traum von der Weltmeisterschaft vielleicht schon 2026?
Der senegal-skandal und seine folgen
Die Geschichte des Afrika-Cups 2023 war von einem unerwarteten Drama geprägt. Senegals vermeintlicher Siegtreffer durch Pape Gueye in der Verlängerung gegen Marokko wurde von Brahim Díaz’ verpatztem Panenka-Elfmeter überschattet. Doch das eigentliche Chaos folgte, als die senegalesische Mannschaft nach einer strittigen Schiedsrichterentscheidung in die Kabine stürmte und den Platz verließ. Die Protestaktion führte zu einem Ausschluss und schließlich zur Aberkennung des Titels. Ein bitterer Moment, der jedoch Marokkos Aufstieg weiter beflügelte.
Doch Marokko ist längst mehr als nur ein Afrika-Meister. Die Nationalmannschaft profitiert von einer beeindruckenden Entwicklung in der Jugendarbeit und einer modernen Infrastruktur. Die Mohammed VI Football Academy, ein Vollzeitstipendium für junge Talente zwischen Rabat und Salé, ist ein Paradebeispiel für das Engagement des Landes im Fußball. Hier werden Spieler ausgebildet, die bald in den europäischen Topklubs Fuß fassen.

Achraf hakimi: der schlüsselspieler und nationalheld
Ein Name steht dabei besonders im Fokus: Achraf Hakimi. Der ehemalige Dortmunder Profi ist nicht nur ein herausragender Verteidiger, sondern auch ein Spielgestalter, der das Spiel kontrolliert und präzise Pässe verteilt. Seine sieben Vorlagen in 13 Champions-League-Spielen sprechen eine deutliche Sprache. Luis Enrique, sein Trainer bei Paris Saint-Germain, nannte ihn sogar als potenziellen Stürmer. Hakimi ist längst eine Art Nationalheld in Marokko und verkörpert den unbändigen Willen zur Perfektion.
Neben Hakimi gibt es weitere Hoffnungsträger wie Gessime Yassine von Racing Strasbourg und den erst 18-jährigen Ayyoub Bouaddi, der bei OSC Lille bereits Champions-League-Erfahrung sammelte. Beide Spieler wurden an der renommierten Akademie ausgebildet und stehen für die neue Generation marokkanischer Fußballer, die das Land auf Weltklasse-Niveau heben sollen. Bruno Genesio, Trainer von Lille, lobte Bouaddi nach seinem ersten Champions-League-Einsatz: „Er ist ein Junge mit einem exzellenten Kopf und hat bereits jetzt das Potenzial, das er hat, gezeigt.“

Die wm 2026: realistische chance oder ferner traum?
Die WM 2030, die in Portugal, Spanien und Marokko ausgetragen wird, ist ein großes Ziel. Aber was ist mit der WM 2026? Die „Löwen vom Atlas“ haben nach ihrem beeindruckenden Auftritt in Katar das Momentum auf ihrer Seite. Der immense Druck, den sie nun spüren, ist jedoch nicht zu unterschätzen. Der Trainerwechsel im März, motiviert durch Kritik und Pfiffe, soll frischen Wind bringen. Doch die Eurosport-Prognose bleibt skeptisch: Marokko wird das Viertelfinale nicht überstehen. Die Jugend ist noch nicht ganz so weit für den großen Wurf, und der neue Trainer muss sich erst noch vollständig eingespielt haben.
Trotzdem: Marokko hat etwas Besonderes. Ein unerschütterlicher Glaube an die eigenen Fähigkeiten, eine junge und hungrige Mannschaft und ein Land, das hinter seinem Team steht. Die WM 2026 wird zeigen, ob dieser Glaube ausreicht, um die Welt zu überraschen. Aber eines ist sicher: Marokko ist auf dem Vormarsch und wird die Fußballwelt noch lange beschäftigen. Die Früchte der 2010 gegründeten Akademie sind längst geerntet, und alle Spieler sind von den europäischen Topklubs begehrt. Walid Regragui, der frühere Nationaltrainer, fasste es treffend zusammen: „Warum sollten wir nicht davon träumen, die Weltmeisterschaft zu gewinnen? Geben wir diesen Gedanken an künftige Generationen weiter und glauben wir daran.“
