Marko grgic packt nach siebenmetern-krimi den 100er-hpi – und motzt trotzdem

Die Zahlen lügen nicht, sagt man. Marko Grgic lacht drüber. 7 Treffer, 0 Fehlpässe, 100 HPI-Punkte – und trotzdem nagelt er sich nach dem 35:31 gegen GWD Minden selbst an die Wand. «Mein Gott, das glaubst du gar nicht», sagt er ins Dyn-Mikro, «ich weiß, dass ich zwei Rückraumwürfe vergeben habe. Der eine wird geblockt, der andere hält Tibur. Für mich kein 100er-Spiel.»

Warum der nationalspieler trotz perfektion nicht zufrieden ist

Flensburg-Handewitt hatte den GWD-Animateuren 60 Minuten lang den Atem geraubt, doch Grgic atmete tief durch. Nach seiner Corona-Pause war dieses Nordderby sein Comeback. Die Lunge, erzählt er, sei ihm «nach 15 Minuten fast aus der Brust gesprungen». Da half auch die Koordinationsleiter im Warm-up nichts, in der «bin ich fast umgekippt». Doch statt sich zu entschuldigen, schraubte er die Siebenmeter-Quote auf 100 Prozent und schraubte gleichzeitig die Ansprüche an sich selbst hoch.

Das HPI-System der Liga wertet Treffer, Paraden, Fehler, Gegenstöße – eine Excel-Tabelle mit Herzschlag. Doch Grgic spielt mit der Excel im Kopf. «Wenn das System 100 Punkte hergibt, dann ist es halt so», sagt er mit einem Schmunzeln, das mehr Selbstironie als Genugtuung transportiert. Für ihn zählt nur das Spielfilm-Bild, das ihm nachts im Kopf herumspukt.

Was dieser tag über die hbl verrät

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Die Szene ist symptomatisch für eine Liga, in der Algorithmen und Emotionen aneinander geraten. Während Fans auf Twitter die 100er-Stat feiern, sitzt der Protagonist selbst im Mixed-Zone-Dämmerlicht und erklärt, warum Perfektion ein flüchtiges Konstrukt ist. Die SG Flensburg-Handewitt festigt mit dem Sieg Rang zwei, doch Grgic’ Blick richtet sich bereits auf Mittwoag, wenn die nächste Mannschaft versuchen wird, seine Lunge erneut aus der Brust springen zu lassen.

Am Ende bleibt eine Zahl, die keine Tabelle erfasst: 60 Tage quarantänebedingter Zwangspause stecken in seinen Knien – und trotzdem liefert er die Antwort auf die Frage, warum man sich diesen Sport antut. Weil er kann. Und weil er weiß, dass selbst ein 100er-HPI nur dann zählt, wenn er ihn selbst unterschreibt.