Marchand bricht weg – ihr körper streikt, die träume nicht

Kathrin Marchand war schon auf Bronze-Kurs, dann sackte sie am Streckenrand zusammen. Ein Schwindelanfall stoppte ihre Jagd nach historischem Edelmetall – und entzauberte den Märchenlauf der Kölnerin, die erst seit 14 Monaten auf Langlaufskieren steht.

Von der piste direkt in die betreuung

23 Sekunden Vorsprung auf Rang vier, 5 km vor dem Ziel, alles im Plan. Die Kameras zoomten auf Marchand, zeigten eine Athletin, die sich in Windeseise aus dem Nichts in die Weltspitze gekämpft hatte. Sekunden später dasselbe Bild: Marchand hockt, die Hände auf den Knien, Blick leer. Kommentator Marc Windgassen verstummte, die Zuschauer hielten den Atem an. Erste Diagnose: plötzlicher Schwindel – Auslöser unklar, Folgen bitter.

Die 35-Jährige hatte sich gerade mit Sydney Peterson und Vilde Nilsen an der Spitze angefreundet, ehe die beiden davonzogen. Für Bronze aber war Marchand die sichere Anwärterin, bis ihr Körper sich weigerte. „Ich hab nur noch die Baumgrenze gesehen, dann wurde es schwarz“, sagte sie später leise. Ihre Werte: Puls 180, Sauerstoffsättigung im Keller. Teamarzt Dr. Lars Niehaus spricht von „akuter zirkulatorischer Insuffizienz unter Belastung“ – laienhaft: Kreislauf kollabiert.

Die bilanz bleibt dennoch atemberaubend

Die bilanz bleibt dennoch atemberaubend

Viermal Start, viermal Geschichte. Olympische Spiele im Boot, Sommer-Paralympics im Rudern, Winter-Paralympics auf Skiern – niemand vor ihr schaffte diesen Dreifach-Sommer-Winter-Hattrick. Die Medaille fehlt, aber die Zeiten sprechen: 1:28,4 Minuten Rückstand auf Weltklasse nach gerade einmal 14 Monaten auf Ski. Vergleichswert: Biathlon-Neulinge brauchen vier Jahre, um in diese Regionen vorzustoßen.

Gold ging an Peterson in 29:49,2 Minuten, Silber an Nilsen (+2,6 Sekunden), Bronze an Kanadas Britanny Hudak – 2:11,8 Minuten hinter der US-Amerikanerin. Marchand? Ein Krankenhauszimmer in Tesero, Infusion, Schockstarre. Ihre Reaktion: „Ich komme zurück. Mein Körper war schneller als mein Gehirn – das ändere ich.“

Die Paralympics gehen weiter, für Marchand bleibt der 20-km-Skating-Wettbewerb. Physiologen raten zu zwei Tagen Komplettpause, sie selbst will schon morgen wieder auf Ski. Der deutsche Verband prüft, ob zusätzliche Herz-Kreislauf-Tests nötig sind. Doch eines steht fest: Die Geschichte der Marchand ist noch nicht zu Ende geschrieben – sie hat erst das Vorwort fertig.