Maradona-prozess: psychiaterin und koordinatorin streiten sich vor gericht

Buenos Aires – In einem brisanten Careo im Prozess um den Tod des Fußballgottes Diego Armando Maradona lieferten sich die Psychiaterin Agustina Cosachov und die Koordinatoren von Swiss Medical, Nancy Forlini, hitzige Auseinandersetzungen. Beide stehen im Visier der Ermittlungen, die klären sollen, wer für das Ableben des Weltstars verantwortlich ist. Die Atmosphäre im Gerichtssaal war zum Greifen nahe, als die unterschiedlichen Auffassungen über die angeforderten und tatsächlich genehmigten Behandlungen im Mittelpunkt standen.

Unstimmigkeiten bei der leistungserbringung

Cosachov warf Forlini vor, wiederholt ihre Anfragen nach einem klinischen Arzt, einem Neurologen und einem Rettungswagen ignoriert zu haben. „A mir ese pedido no me llegó“, verteidigte sich Forlini. Eine Aussage, die Cosachov scharf zurückwies: „No es mi responsabilidad que a vos no te haya llegado.“ Sie betonte, dass ihre Anfrage mehrfach geäußert worden sei. Forlini hingegen verweist auf das Dokument von Swiss Medical, das lediglich die Bereitstellung von Pflegekräften und therapeutischer Begleitung vorsah. Sie warf Cosachov vor, das unterschriebene Dokument nicht ausreichend geprüft zu haben, was zu Missverständnissen geführt habe.

Die Situation eskalierte weiter, als Forlini argumentierte, dass die Leistungen auf Grundlage des Protokolls beruhten, das Maradonas Entlassung aus der Klinik besiegelte. Cosachov konterte, dass sie von Anfang an auf ein Desinteresse seitens Swiss Medical gestoßen sei und dass die Notwendigkeit eines klinischen Arztes bereits in den ersten Tagen nach der Entlassung deutlich geworden sei. Die fehlende medizinische Ausrüstung und ein Rettungswagen in unmittelbarer Nähe des Hauses, in dem Maradona lebte, wurden ebenfalls thematisiert.

Ein fragwürdiges signal von den behandelnden ärzten

Ein fragwürdiges signal von den behandelnden ärzten

Ein besonders brisanter Punkt war die Frage, warum sowohl der Neurochirurg Leopoldo Luque als auch Cosachov die Anwesenheit eines klinischen Arztes forderten, wenn sie selbst die medizinischen Entscheidungen treffen sollten. Forlini sah darin eine gewisse „incongruencia“, die sie nicht nachvollziehen konnte. Die Tatsache, dass der Rettungswagen, der laut Cosachov versprochen worden war, sich erst in der Nähe befand, als die Notdekompensation eintrat, deutet auf eine mangelnde Vorbereitung hin.

Neben Cosachov und Forlini stehen auch der Pflegerkoordinator Mariano Perroni, der Psychologe Carlos Díaz, der Arzt Pedro Di Spagna und der Krankenpfleger Ricardo Almirón vor Gericht, allen wird fahrlässige Tötung vorgeworfen. Die Verhandlung wirft ein düsteres Licht auf die medizinische Betreuung des Fußballstars in seinen letzten Lebenswochen und lässt die Frage nach der Verantwortung für seinen Tod offen.